AKTUELLES
MÜHLEN IN SCHWABEN

Die neue Dokumentation der Bezirksheimatpflege zu mehr als 1.000 Mühlen in Schwaben.

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Bezirksheimatpflege
des Bezirks Schwaben
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86150 Augsburg
Tel.: 0821-3101-309
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E-Mail: heimatpflege(at)bezirk-schwaben(dot)de

Preisverleihung

„Bräuche bilden einen wesentlichen Bestandteil unserer Tradition und unseres Selbstverständnisses in der regionalen Kultur“, betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert nun beim Festakt zum Abschluss des Fotowettbewerbs des Bezirks Schwaben.
„Bräuche heben einerseits Feste aus dem Alltag heraus, andererseits geben sie unserem täglichen Tun eine gewisse Form“. Den diesjährigen Preisträgern war es gelungen, das Thema „Bräuche in Schwaben“ in allen
Facetten lebendig einzufangen – sei es am Beispiel des Siegerfotos, das die besondere Stimmung von Allerheiligen einfängt, sei es scheinbar Alltägliches wie die Weihnachtsbäckerei, aber auch farbenfrohe Impressionen
von Höhepunkten des Brauchtumsjahres wie Viehscheid und Colomansritt.

Zum inzwischen siebten Fotowettbewerb des Bezirks Schwaben hatten insgesamt 115 Teilnehmer über 790 Fotos eingeschickt. Die Auswahl der Preisträger war daher keine leichte Aufgabe für die Jury, die sich aus der
weiteren stellvertretenden Bezirkstagspräsidentin Ursula Lax, aus Walter Reichelt, dem Vorsitzenden des Fotoclubs Schwabmünchen,
der Volkskundlerin Professorin Dr. Sabine Doering-Manteuffel (Universität Augsburg), Gerhard Willi, Bezirk Schwaben, und Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl zusammensetzte.


Neben insgesamt fünf preisgekrönten Arbeiten hat die Bezirksheimatpflege
rund 150 der eingesandten Fotos für eine geplante Wanderausstellung angekauft.

Die Preisübergabe fand am Donnerstag, den 13. März 2008 um 19.00 Uhr in einem festlichen Rahmen in Augsburg statt.

1. Preis :

Babara Lindner, Breitenthal:
Allerheiligen auf dem Westfriedhof in Krumbach

Wie fotografiert man Allerheiligen? Die Gräber werden geschmückt, die Angehörigen gedenken der Verstorbenen, der Pfarrer segnet die Grabstätten. Es ist ein stilles Fest, ein Familienfest, oft schon bei winterlichem Wetter, eine feste Größe im Jahreslauf. Und genau dies ist es, was einen Brauch lebendig hält: ein ganz selbstverständlicher, fester Bestandteil des Jahreslaufes und des Familienlebens, eingebunden in das Generationen übergreifende Totengedächtnis. Die vermeintliche Beiläufigkeit der Situation, welche Barbara Lindner abbildet, verstärkt eher den präzisen Bildaufbau. Ein etwas diesiger, kühler Nachmittag mit Zwielicht, ein altes Ehepaar, das kurz innehält, zahlreiche Personen, die an den Gräbern stehen. Das Bild vermittelt Ruhe, Besinnlichkeit und eine, man kann sagen, naturgemäße Trauer.

2. Preis :

Achim Crispien, Heising:
Viehscheid in Gunzesried im September 2007

Der etwa 100 Tage dauernde Sommeraufenthalt auf den Alpen ist Mitte September zu Ende, die Tiere kehren in ihre Höfe zurück. War der Alpsommer unfallfrei, wird das erste Rind mit Blumen geschmückt. Die Viehscheide sind heute große Festveranstaltungen für den Fremdenverkehr. Die Bildserie von bestechender fotografischer Qualität zeigt das eigentliche Geschehen des Viehscheids. Die Freude und den Stolz der Älpler in ihrem Festgewand, die prachtvoll herausgeputzten Kranzrinder, aber auch die Anstrengung, eine gewisse Müdigkeit und die Spuren harter Arbeit. Hirten und Tiere stehen für einen Tag im Mittelpunkt – man meint, die besondere Situation selbst beim Tier zu spüren.

2. Preis :

Achim Crispien, Heising:
Schwangau, Oktober 2007, St. Colomansritt

Die Wallfahrt zum Hl. Coloman ist seit dem 15. Jahrhundert belegt. Coloman wird als Bauernheiliger verehrt. Er schützt das Vieh und die Pferde. 1672 wird die „Andacht in Roß und Vieh“ beschrieben. Seit 1978 findet der Colomansritt mit Pferdebenediktion, neu belebt durch einen Verein, am 2. Sonntag im Oktober statt und zieht zahlreiche Zuschauer an. Achim Crispien zeigt uns zwei stolze Reiterinnen mit der St. Colomanskirche im Hintergrund und einen lachenden und segnenden Pfarrer. Wallfahrt macht Freude, der Segen gilt Mensch und Tier und mit Stolz kann man sich präsentieren – soviel wird sich über die Zeiten nicht geändert haben.

3. Preis :

Jörg Stumpf, Nördlingen:
Weihnachtsbäckerei, Nördlingen, 27.11.2007

Spitzbuben gehören zur klassischen Weihnachtsbäckerei. Ihre Herstellung ist nicht sehr schwierig, aber man muß sorgfältig vorgehen und braucht etwas Zeit. Auch Kinder können bereits mithelfen. Den letzten Arbeitsgang bildet das Bestäuben mit Puderzucker, der hier umsichtig auf jedes Plätzchen gestreut wird. Durch das kleine Detail des einfachen Siebs und des Puderzuckers, der auf die wie im abendlichen Kerzenschein liegenden Plätzchen schwebt, wird eine ganze Welt von sinnlichen Eindrücken, Gerüchen und Erinnerungen bei jedem von uns hervorgerufen. Advent ist wesentlich die Vorbereitung auf das Fest, zu der die Weihnachtsbäckerei gehört und zwar für Jung und Alt. Ein Brauch also im eigentlichen Sinn, eingefangen in einem ungewöhnlichen, stimmungsvollen und vermeintlich ganz einfachen Bild.

3. Preis :

Hardy Kotzbacher, Kempten:
Drei Könige unterwegs in Moosbach bei Petersthal im Oberallgäu, Januar 2007

Mit der Übertragung der Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln 1164 setzt in Deutschland der Dreikönigskult ein. Das Singen der Drei Könige mit dem Stern ist in Schwaben seit dem 16. Jahrhundert belegt, im 19. und 20. Jahrhundert häufen sich Nachweise. Der ursprüngliche Sammel- und Heischebrauch, der von Protestanten kritisch gesehen wurde (Betteln), wandelte sich in den 1950er Jahren in eine Sammelaktion für notleidende Kinder in den Entwicklungsländern. Unsere Heiligen Drei Könige laufen mit gut gefüllten Taschen auf einen Einödhof zu, der Weg ist noch weit, doch die frohe Botschaft und das Segenszeichen „C+M+B“ soll mit der Jahreszahl auf allen Haustüren geschrieben werden. Ganz selbstverständlich sind sie unterwegs und bezeugen die christliche Prägung des Landes.

Ausstellung

Die Ausstellung „Bräuche in Bayerisch-Schwaben“ kann kostenlos bei der Bezirksheimatpflege ausgeliehen werden (Tel. 0821/3101-309; EMail heimatpflege(at)bezirk-schwaben(dot)de ); Dokumentation: Peter Fassl (Hg.), Bräuche in Bayerisch-Schwaben, Bearbeitung und Redaktion: Agnes Blasczyk, Augsburg 2011, 64 Seiten, ISBN 978-3-934113-06-0, 5 Euro;