Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2002

Preisverleihung

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Donnerstag, den 24. Oktober 2002 im Gasthof Straub in Pfaffenhofen statt.

Foto des Wohnhauses Hintere Gerbergasse 19 in Nördlingen

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2002

Eva und Bernhard von Rohda, Nördlingen

Sanierung des Wohnhauses Hintere Gerbergasse 19 in Nördlingen

Neben der Schaffung zeitgemäßer Wohnräume wurde bei der Sanierung des auf das Jahr 1546 datierten Gerberhauses der Erhaltung und dem Sichtbarmachen der historischen Fachwerkskonstruktion und vorhandener Stilelemente Vorrang eingeräumt.

Entsprechend der früheren Nutzung und dem vor Sanierung angetroffenen Zustand überwiegen im Gesamteindruck nach Sanierung in den Vollgeschoßen Erdgeschoß sowie 1. Obergeschoß historische Stilelemente, während in den Dachgeschoßen 1 und 2 neben der nahezu durchgängig sichtbaren Fachwerks- und Dachkonstruktion moderne Elemente vorherrschen - bedingt durch die frühere, vermutlich fast ausschließliche Nutzung als 3-geschoßiger Dachspeicher. Auch vor letzterem Hintergrund wurde eine großzügige, licht-durchgängige Raum­gestaltung gewählt, um den Dachcharakter zu erhalten. Lange, jedoch stark untergliederte Fensterbänder hinter Fachwerk im nach Südwest orientierten Giebel gewährleisten zusätzlich bei niedrigem Sonnenstand eine gute Nutzung der Wärmestrahlung und reduzieren die Heizkosten maßgeblich.

Das 3. Dachgeschoß wurde in seinem ursprünglichen Zustand belassen und dient auch jetzt als Dachboden.

Das stark vernachlässigte und partiell ruinöse stattliche und den Straßenraum domi­nierende Haus ist von den Eigentümern mit vorbildlichem persönlichen Einsatz, einem ins Detail gehende Wissen um die Qualitätsmerkmale der historischen Struktur und höchster Sorgfalt saniert worden. Heraushebend ist dabei die stil- und geschmackssichere Gestaltung der neuen Funktionselemente, die einen bemerkenswerten Blick auf das Miteinander von Alt und Neu erlaubt und die alten Bauteile noch hervorhebt.

Die Maßnahme mit Gesamtkosten von 636.440,-- DM wurde vom Bezirk Schwaben mit 7.500,-- DM gefördert. Sie reiht sich würdig in die herausragenden Nördlinger Altstadtsanierungen ein.

Foto des Gasthofes Straub, Dorfanger 29, 86647 Pfaffenhofen

Sonderpreis

Josef und Edith Straub, Pfaffenhofen

Sanierung des Gasthofes Straub, Dorfanger 29, 86647 Pfaffenhofen a. d. Zusam

Der Brauereigasthof Straub wurde 1803 errichtet, 1903 überarbeitet und in den 1920er Jahren erweitert. Er bildet eines der wenigen Beispiele von Gasthäusern mit einer vollständig erhaltenen Wirtshauseinrichtung sowie einen Tanzsaal aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Die Eigentümer haben in den letzten 10 Jahren den ursprünglich Zustand des Anwesens wiederhergestellt und dabei insbesondere die Fassadengestaltung mit farbigen Putzfassungen rekonstruiert, die Garten- und Maueranlage wiederher­gestellt, die Inneneinrichtung (Tür, Gaststube, Gang, Boden, Decken, Bänke, Tische, Tanzsaal) saniert bzw. stimmig ergänzt und so ein Kleinod der Gasthof­kultur erhalten. Störende Überformungen der 1950er Jahre wurden entfernt.

Foto des sanierten Kornspeichers in Kaufbeuren

Sonderpreis

Roswitha und Klaus Kehrbaum, Augsburg

Sanierung und den Umbau eines Kornspeichers in Kaufbeuren

Einen innovativen und neuen denkmalpflegerischen Weg beschritt der Architekt Klaus Kehrbaum bei der Sanierung und dem Umbau des alten Kornspeichers, eines Fachwerkbaues, der wie ein Ausguck auf der Kaufbeurer Stadtmauer sitzt.

Als Bäckerzehntstadel um 1600 errichtet war das Gebäude innen total ruinös, außen war eine Wandseite defekt. Glasfenster waren nie vorhanden, das Gebäude stand seit 1945 leer.

Bei der Sanierung wurden nun die Außenwände saniert und in die Gebäudehülle ein neues Haus aus Glas, Hartfaserplatten und Aluminium gestellt. Von Innen - ein Büro - erlebt man die alte Mauerwerkstruktur, von Außen ist das Gebäude in seiner alten Mauerwerkstruktur sichtbar. Die Fensterhöhlen, früher durch ein Holzgeflecht geschützt, werden durch ein Schnurgeflecht gegen Tauben geschützt.

Mit Phantasie und Hartnäckigkeit konnten die Fragen der Bausicherheit gelöst werden. Über den Stadtgraben führt ein schmaler Eisensteg. Die hier gefundene denkmalpflegerische Lösung zeichnet sich durch hohe gestalterische Qualität, Phantasie und denkmalpflegerisches Einfühlungsvermögen aus und kann auch in der Energie- wie Kostenbilanz neue Wege aufzeigen.

Foto des restaurierten Anwesens Maximilianstraße 10 in Lindau

Anerkennungspreis

Dr. Maria und Werner Berschneider, Lindau

Restaurierung der Maximilianstraße 10 in Lindau

Das Anwesen ist eines der ältesten in Lindau, besitzt einen Renaissancegang im Innenhof, war völlig verrottet und konnte durch die Eigentümer in einer Art Liebhaberleidenschaft gerettet und saniert werden. Jeder einzelnen historischen Spur wurde mit größter Sorgfalt nachgegangen.

So konnten Freskenreste und der Ballustergang, dann Böden, Treppen, Beläge erhalten werden. Da die Räume praktisch als Schauräume der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, gelingt eine Darstellung der patrizischen Wohnkultur der Renaissance.