Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2004

Preisverleihung

Foto Preisverleihung

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Dienstag, den 19. April 2005, in einem festlichen Rahmen im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt.

Foto Kathanhaus, Kapuzinergasse 10 in Augsburg

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2004

Bauherr: Heinz Greifenberger, Fa. J.N. Eberle GmbH, Augsburg

Sanierung des Wohnhauses und Restaurierung der Fassaden des Kathanhauses, Kapuzinergasse 10 in Augsburg

    

Die Reichsstadt Augsburg des 18. Jahrhunderts wird als farbenfroh und sehenswert durch die Fassadenmalerei ihrer Bürgerhäuser beschrieben, an der die bedeu­tendsten Maler der Zeit gearbeitet haben. Es kann als Glücksfall betrachtet werden, dass es dank außerordentlichen Engagements des Unternehmers Heinz Greifen­berger gelang, ein Beispiel dieser Stadtkultur zu retten.

Das dreigeschossige Bürgerhaus in der Kapuzinergasse 10 führt seinen Namen von dem Kaufmann Peter Kathan, in dessen Besitz es 1847 gelangt war.

Es besitzt an seiner Südseite (vier Fensterachsen) zur Kapuzinergasse und an seiner Ostseite (sieben Fensterachsen) zum Garten eine flächendeckende Außen­bemalung mit figürlichen Motiven und scheinplastischer Architekturgliederung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Das Anwesen besteht aus mehreren Baukörpern: einem älteren traufseitigen Bau mit einer breiten, gewölbten Tordurchfahrt, welche zu einem Innenhof führt. Dieser ist westlich begleitet von einer schmalen, nur zweigeschossigen Abseite mit Fach­werksalettl, die schließlich in dem Rückgebäude mit Walmdach und Aufzugsgiebel mündet. Den Innenhof begrenzt ostseitig der eigentliche Hauptbau mit Walmdach. Die Straßenkurve begleitend schließen am Ostflügel erdgeschossig die sogenann­ten Torhäuser (Kapuzinergasse 8) an. Die Straßenfassaden sind je dreiachsig mit genuteten Lisenen und schließen nach oben mit Balustrade ab (1. Hälfte 18. Jh.)

Die Fassadengestaltung und –dekoration wurde auf hohem fachlichem Niveau und mit großem finanziellen Einsatz des Eigentümers konserviert und wiederhergestellt und bildet heute einen Blickpunkt bei vielen Stadtführungen.

Foto Bauernhaus, Forggenseestr. 61, in Schwangau

Sonderpreis

Klaus Röder,  Schwangau

Sanierung des Bauernhauses, Forggenseestr. 61, in Schwangau aus dem Jahre 1690

Der Holzständerbau aus dem 17. Jh. ist eines der wenigen noch nahezu unverän­derten Kleinbauernhäuser aus dem Allgäu: Schwangauer Haustyp mit überdachtem Vorplatz. Die Sanierung des stark vernachlässigten Hauses erhielt alle noch funktionsfähigen Bestandteile, entfernte störende neuere Einbauten und machte so den ursprüngli­chen karg-bescheidenen Raumeindruck wieder erlebbar. Ermöglicht wurde dies letztlich dadurch, dass der Eigentümer der Authentizität der Räume absoluten Vor­rang einräumte und seine eigene Ausstattung dem völlig unterordnete. In der Scheune entstand ein Tagungsraum mit einer bemerkenswerten Atmosphäre. Die Maßnahme auf beispielgebendem Niveau wurde nahezu ohne öffentliche Förde­rung durchgeführt (kein Bezirkszuschuß). Die hohe Wohnqualität und die unter einem Neubau liegenden Kosten zeigen beispielhaft, welche räumliche Qualitäten bei kluger Selbstbescheidung möglich sind.

 

 

Foto St. Jakobskapelle in Reutenen

Sonderpreis

Dr. Maria und Werner Beschneider, 88142 Wasserburg

Sanierung der St. Jakobskapelle in Reutenen, Gemeinde Wasserburg

Die kleine Jakobskapelle wurde1643 als Privatkapelle errichtet. Im Volksmund heißt sie noch heute Gförnenkapelle, was nicht auf die Seegfrörenen deutet, sondern auf die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, der noch zu dieser Zeit wütete. Man nimmt an, dass mit der „Gfrörne“ Pest- und Frostbeulen gemeint waren. Die Kapelle war bisher in Privatbesitz. Zuletzt war die Kapelle stark vernachlässigt, die Linde durch­brach mit ihren Wurzeln den Boden der Kapelle und war verantwortlich für deren Anhebung. Die Außenwände waren stark durchfeuchtet, das Dach vermoost und undicht sowie das Dachwerk verfault. Die Kapelle war wie die Linde regelrecht „ver­kabelt“. Die jetzige Initiative einer Sanierung ging auf die Eheleute Berschneider zurück, die anbot, die Maßnahme durchzuführen. Die Kapelle wurde im April 2004 durch Tausch eines Grundstückes von Privatbesitz in Gemeindebesitz übertragen und den Eheleuten Berschneider in Erbpacht übergeben. Die Erbpächter trugen die gesamte Sanierungsmaßnahme, die sich auf 74.000,-- € sowie insgesamt 350 Stunden Eigenleistung belief, wobei die Gemeinde Wasserburg 17.000,-- € für die Außenanlagen übernahm. Den Eheleuten Berschneider gelang es, durch ihre Initia­tive den gesamten Ort zu mobilisieren und zu begeistern. Handwerker stellten kostenlos Material zur Verfügung, freiwillige Helfer aller Altersgruppen bemühten sich, ihren Teil beizusteuern. Insgesamt wurden ca. 6.000,-- € Spenden gesammelt. So ist nicht nur der Zusammenhalt des Ortes gefördert, sondern auch die gemeinsame Verantwortung für die Kapelle gestärkt worden. Die Leistung der Familie Berschneider lässt sich als Denkmalmäzenatentum beschreiben und stellt eine bisher noch nicht gekannte Art der Kulturförderung unt der Übernahme kultureller Verantwortung dar.