Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2006

Preisverleihung

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Montag, den 23. April 2007, in einem festlichen Rahmen im Sylvestersaal der ehem. Sylvesterkirche, Hungerbachgasse 9 in Mindelheim statt.

Foto Pfarrhofes in Oberauerbach

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2006

Bauherr, Eigentümer und Architekt: Peter Kern,  87719 Oberauerbach

Restaurierung und Umnutzung des Pfarrhofes in Oberauerbach, Gemeinde Ober­auerbach, Lkr. Unterallgäu

Der stattliche und mit der nahen Kirche das Ortsbild prägende Pfarrhof in Ober­auerbach ist weithin sichtbar. Er wurde 1712 vom Kloster Rottenbuch errichtet, 1797 saniert und stand vor der Sanierung 2005/2006 20 Jahre lang leer. Ein besonderes Augenmerk galt der Restaurierung der aufwendigen Architektur- und Fassadenmalerei an den Schauseiten (Fenster, Eckpilaster, Gesimse), wodurch das verlorene repräsentative Aussehen wieder wahrnehmbar wurde. Im Inneren wurden sämtliche historischen Befunde auf das sorgfältigste erhalten, die neuen Elemente additiv in vorzüglicher Gestaltung ohne Eingriff in die Substanz hinzuge­fügt. Sämtliche Böden, Fenster, Türen, Putze wurden erhalten und repariert, der Flur im Obergeschoß in der aufwendigen Farbgestaltung des 19. Jahrhunderts wieder hergestellt, so dass ein Erleben der lebendigen Raumgeschichte möglich ist.

Die Heizung wurde entlang des Bodens ohne Eingriff in das Mauerwerk geführt, die Stromleitungen durch ein Funklichtsystem minimiert, das Bad und die Dachwoh­nung als Raum in Raum wie ein Möbel in die alten „Räume“ gestellt. Die Dämmung geschah am Dachboden, die Sparren blieben frei.

Derzeit wird der nahegelegene Pfarrstadel saniert.

Die denkmalpflegerische Sanierung wurde bis ins kleinste Detail sorgfältig, erfolg­reich und auf höchstem Niveau durchgeführt, hat die historischen Raumqualitäten wieder in ihrer Schönheit wahrnehmbar gemacht, eine hohe neue Wohnqualität geschaffen und der Öffentlichkeit wieder einen stolzen Ortsmittelpunkt geschenkt.

Die Maßnahme mit einem Aufwand von 670.000,-- € wurde vom Bezirk Schwaben mit 15.000,-- € bezuschusst.

Foto Umbau eines mittelalterlichen Gebäudes zu einem Architekturbüro in Kempten

Sonderpreis

Bauherr, Eigentümer und Architekten: Maucher & Höß Architekten, Burghaldegasse 2, 87435 Kempten

Umbau eines mittelalterlichen Gebäudes zu einem Architekturbüro, Burghalde­gasse 2, 87435 Kempten

Bei dem Umbau einer unauffälligen leerstehenden Lagerhalle, die sich neben dem ehemaligen Beginenhaus befindet, stellten die Architekten fest, dass die östlichen und südlichen Außenmauern des Gebäudes die Stadtmauer aus der Zeit um 1300 bildeten und sich ältere Trennwände, die auf einen Vorgängerbau verweisen, hier befinden. Die älteste dendrochronologische Datierung verweist auf das Jahr 1311, archäologische Funde stammen ebenfalls aus dieser Zeit. Die hier gefundene Lösung für die Umnutzung zu einem (Architektur)-Büro kann als bemerkenswerter Beitrag zur Denkmalpflege bezeichnet werden. Sämtliche histori­schen Wände (Mischmauerwerk) wurden freigelegt und als Sichtmauerwerk, das die Geschichte zahlreicher Bauphasen zu erzählen weiß, erhalten. Die Büromöbel wurden von den Wänden abgerückt, die Toiletten und die Teeküche als eigene Raumeinheiten hineingestellt. Die moderne Technik wurde im neuen Boden aus Gussasphalt und in den Gips­kastenwänden untergebracht, die Heizung im Fußboden. Die Wärmedämmung geschieht im Dach und in der vorgelegten neuen Fassade mit bündigen, drehbaren Fenstern, welche das alte Mauer­werk wie ein Kleid umschließt und neu definiert. Im Obergeschoß konnten zwei alte Fenster aus dem 18. Jahrhundert durch eine vorgesetzte Glasscheibe erhalten werden. Der neue Raumeindruck ist faszinierend durch die radikale Spannung von Alt und Neu: eine mittelalterliche Raumschale und eine kühl-reduzierte moderne Einrich­tung. Die Gesamtkosten betrugen 460.000,-- €, ein Zuschussantrag an den Bezirk Schwaben wurde nicht gestellt.

Foto ehemaliger Pfarrhof in Großkitzighofen

Sonderpreis

Bauherren und Eigentümer (Erbbaurecht): Familie Stephanie Struthmann und Roger Kausch

Sanierung des ehemaligen Pfarrhofes in Großkitzighofen, Gemeinde Lamerdingen, Lkr. Ostallgäu

Architekt: Dipl.Ing. M. Paul

Der markante Pfarrhof im Kern aus dem frühen 18. Jahrhundert bildet mit dem Pfarrstadel ein ortsbildprägendes Ensemble. Beide Gebäude waren durch teilwei­sen Leerstand und starke Durchfeuchtung abbruchgefährdet. Der Beginn der Sanierungsmaßnahmen im März 2004 umfaßte statische Siche­rungen sowie die Reparatur des Daches und des Dachstuhles. Die Qualität des Gebäudes zeigte die Fassadenrestaurierung, bei der eine schwarz marmorierte Architekturmalerei aus der Barockzeit unter Erhalt der späteren Fassa­den rekonstruiert wurde. Alle historischen Befunde, innen wie außen, wurden, soweit möglich, erhalten. Ergänzungen sind nach Möglichkeit mit alten Baumateria­lien (Dach, Fußweg, Beschläge …) durchgeführt. Hervorzuheben sind die sorgfältigen Rekonstruktionen der Schablonenmalereien der Räume, die Erhaltung und Reparatur der gefaßten Holzböden, der maserierten Türen. Die Heizung erfolgte durch eine Wandtemperierung im Sockelbereich. Die Perfektion in der Detailbehandlung ist vorzüglich dem Können, Fachwissen und persönlichen Einsatz (2.000 Arbeitsstunden) der Eigentümer zu verdanken. Mit der Wiederherstellung des Pfarrgartens, der Ordnung der Außenflächen und der Erhaltung und Inwertsetzung von Pfarrstadel und Pfarrhof ist ein sehenswertes und stolzes Denkmalensemble wieder wahrnehmbar geworden. Die Kosten der Maßnahme betrugen 429.000,-- € und wurden vom Bezirk Schwaben mit 12.000,-- € gefördert.