Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2007

Preisverleihung

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Montag, den 21. April 2008, in einem festlichen Rahmen im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt.

Foto Wohn- und Handwerkerhaus in Nördlingen

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2007

Manuela Hofmann-Scherrers und Dr. Hermann-Josef Scherrers

Sanierung des Wohn- und Handwerkerhauses, Polizeigasse 5, 86720 Nördlingen

Architekt: Architekturbüro Stark, Nördlingen

Das 1706 nach der Zerstörung im 30jährigen Krieg wiedererrichtete dreigeschos­sige, giebelständige Wohn- und Geschäftshaus liegt zentral in der Altstadt.

Um den Erhalt des Hauses zu ermöglichen, ließ die Stadt 1993 ein 10 m hohes La­gerhaus auf der Rückseite entfernen und ordnete dem Gebäude das freigewordene Grundstück zu.

Der Südgiebel erfüllte weder die statischen noch die funktionellen Anforderungen. Die Fundamente des Giebels sowie der angrenzenden Seitenwände mussten voll­ständig erneuert werden. Um historische Substanz erhalten zu können und den Wohnwert der ehemaligen Rückseite heutigen Bedürfnissen anzupassen, wurde das Haus durch einen neuen vorgesetzten Südgiebel erweitert, der nun die Trag­funktion übernimmt. Auf der Straßenseite konnte die vorhandene Substanz weitge­hend erhalten werden.

Aufgrund intensiver Bemühungen der Bauherren konnte das Gebäude auch nach energietechnischen Gesichtspunkten auf den aktuellen Stand gebracht werden. Le­diglich der Winkel auf der Westseite stellte zunächst noch ein Problem dar, da hier die notwendige Dämmung aus Platzgründen nicht aufgebracht werden konnte. Durch eine gemeinsame Dachrinne mit dem Nachbaranwesen und eine abschlie­ßende Glaskonstruktion nach oben sowie zur Straßen- und Gartenseite hin wird nun sowohl eine gute Belichtung als auch eine ausreichende Dämmung und Trockenlegung erreicht.

Bei Grabungsarbeiten fand sich im Garten des Anwesens ein römischer Weihestein aus dem Jahr 205 n. Chr. – gewidmet dem Jupiter Dolichenus – der bisher bedeu­tendste Römerfund in Nördlingen.

Die Maßnahme wurde von den Bauherren fachlich durch eine baugeschichtliche Hausdokumentation vorbildlich begleitet. Hervorzuheben sind die sorgfältigste Er­haltung aller noch erhaltenen Bauteile, die Wiederverwendung alter Baumaterialien (Böden, Dachstuhl, Türen, Beschläge). Die Wohnräume im Dachgeschoß haben in der Verbindung von alter Struktur und neuen Funktionsdetails überregional Vorbild­charakter.

Die Kosten betrugen 1,28 Mio. €, die öffentlichen Zuschüsse 114.000,-- €. Der Be­zirkszuschuß betrug 12.000,-- €.

Foto ehemaliges Bauernhaus in Waltenhofen

Sonderpreis

Ehepaar Sabine und Manfred Fink

Sanierung des ehemaligen Bauernhauses in Wollmuths 49 ¾ , 87448 Waltenhofen, Lkr. Oberallgäu

Die Rettung des Bauernhauses grenzt an ein Wunder. Das Haus war über 100 Jahre nicht mehr bewohnt und wurde in ruinösem und einsturzgefährdetem Zustand 1993 von dem Ehepaar Fink erworben. Die nordwestliche Ecke des Blockhauses im EG fehlte. Nach einer ersten statischen Sicherung wurde ein neues Fundament gelegt und Schritt für Schritt bis 2005 die Bauteile gesichert bzw. ergänzt. Die Raumstruktur des ehemaligen Wohnteiles blieb erhalten, Stall und Tenne wurden ausgebaut. Wände, Balken, Decken und Dachplatten wurden soweit möglich er­halten, der Rest handwerklich ergänzt.

Das Ehepaar Fink hat mit geringen Eigenmitteln von Anfang in der Baustelle ge­wohnt und stetig lernend und sich fortbildend die Sanierung mit größter Sorgfalt durchgeführt und damit ein nahezu unverändertes Bauernhaus aus dem 18. Jahr­hundert erhalten.

Die Gesamtkosten betrugen 400.000,-- €, das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege gab einen Zuschuß von 20.000,-- €. Ein Zuschussantrag wurde an den Bezirk Schwaben nicht gestellt.

Foto Handwerker- und Bürgerhaus in Weißenhorn

Sonderpreis

Ingeborg Meyer, Stefanie und Bernhard Krug

Sanierung des Handwerker- und Bürgerhauses, Hasengasse 4, 89264 Weißenhorn

Architekt: Müthe + Gaissmaier, Neu-Ulm

Der in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaute Ständerbau mit Fachwerkgiebel war durch einen 30jährigen Leerstand akut gefährdet. Durch Erneuerungen und Umbauten um 1550, 1650 und zuletzt 1864 wurde das an der Stadtmauer gelegene markante Eckhaus geteilt. Bei der Sanierung, die wissenschaftlich vorbildlich vorbereitet wurde, wurden 2 Wohneinheiten im denkmalgeschützten Gebäude eingerichtet, die Hausteilung auf den ursprünglichen Zustand rückgeführt und durch die Einbezie­hung des westlichen Anbaus ein schöner Hofraum gebildet. Hierzu mussten die Fundamente unterfangen und das Mauerwerk teilweise ausgetauscht werden. Im Obergeschoß konnten die raumprägenden Böden, Balken und Wandkonstruktionen weitgehend erhalten werden. Das Fachwerk im Süden prägt den Platzraum. Ein bedeutendes Haus des Altstadtensembles von Weißenhorn wurde vorbildlich sa­niert, in Eigenleistung 800 Arbeitsstunden erbracht.

Die Gesamtkosten betrugen 600.000,-- €, die öffentlichen Zuschüssen 128.000,-- €, der Bezirkszuschuß betrug 9.000,-- €.