Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2008

Preisverleihung

Foto Preisverleihung

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Dienstag, den 3. März 2009, in einem festlichen Rahmen im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt.

Foto Bauernhaus in Gailenberg

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2008

Annette und Kilian Lipp, Vorderburg/Hindelang

Sanierung des ehemaligen Bauernhauses in Gailenberg, Hs.Nr. 13,
87541 Hindelang

Der an einem steilen Hang 1.000 m hoch gelegene Weiler Gailenberg über Hinde­lang wird Ende des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt. Peter Lipp war 1640 der erste belegte Besitzer des Anwesens, das bis 1938 im Eigentum der weitläufigen Familie blieb und 2007 von Annette und Kilian Lipp wieder erwor­ben werden konnte.

Obwohl das Haus fast vierzig Jahre leerstand und durch Wassereintritt im Keller auch Schädigungen der Bausubstanz eintraten, war die Grundstruktur zwar ver­wahrlost, aber nicht ruinös. Bei dem Bauernhaus mit Stall im Unter­geschoß, das im Kern aus dem 17. Jahrhundert stammt, handelt es sich um einen Blockbau im Erd- und Obergeschoß mit ausgebautem nördlichen Längsschopf und aufgesteilten Satteldach. Im Westteil des Hauses befinden sich Heuschinde und Tenne aus Holzfachwerk mit Bretterschirm. Das Unter­geschoß ist aus Bruchsteinen gemauert. Die Ostseite des Hauses ist mit rund geschnittenen Kleinschindeln verkleidet, die Südseite war verputzt und wurde neu verschindelt

Die Sanierung und Umnutzung zu einer Galerie – Kunsthaus Lipp – wurde von dem Kunstmaler Kilian Lipp geplant, mit hoher Eigenleistung und örtlichen Handwerkern in einem Jahr durchgeführt.

Das Ergebnis ist faszinierend, da im gewissen Sinn durch die neue Nutzung die baulichen Grundstrukturen und Elemente und die Geschichte des Bauern­hauses erst wahrnehmbar zur Geltung kommen. Von der Tenne aus ist der Blockbau, das Untergeschoß, der Kammeranbau des 19. Jahrhunderts bis zu Details wie Trockengestell (kleiner Balkon) und Arbeitsspuren im Einzelnen erkennbar. Die Außenmauern wurden unterfangen, im nördlichen Bereich das Erdgeschoß durch eine Betonplatte gesichert, ein Ringanker stabilisiert das Untergeschoß.

Der hochwertig ausgestattete Blockbau konnte nahezu vollständig erhalten werden, die Ruckerfenster wurden so weit notwendig rekonstruiert. Die neuen Aus­stattungsteile setzen sich gestalterisch und im Material mit dem Bestand ausein­ander bzw. fügen sich als Altmaterial nahtlos in den Baubestand ein. Die Nutzung als Galerie erhebt das Haus zu einem Kunstobjekt und läßt doch die ursprüngliche Funktion prägend erkennbar. Die Präsentation der Gemälde im ganzen Gebäude ist faszinierend.

Kilian Lipp hat sich in seinem künstlerischen Werk über Jahrzehnte mit den unscheinbaren kleinen alpinen Schutz- und Vorratsgebäuden auseinander­gesetzt und sie als Teil des sorgsamen und heute gefährdeten Umgangs mit der Natur betrachtet. Mit der Erhaltung und Umwandlung des Bauernhauses in Gailenberg mit dem Hausnamen „beim Pfloudar“, das früher die Hausnummer 1 hatte, hat er einen wichtigen Denkanstoß zur Erhaltung und Weiterentwick­lung der alpinen Bauernhauskultur gegeben.

Die Sanierung wurde 2007/2008 durchgeführt, die Kosten betrugen
250.000,-- €.

Sonderpreis

Walburga und Wilhelm Bühringer, Gundel­fingen/Peterswörth

Sanierung des ehemaligen Ackerbürgerhauses, Burgstraße 1, 89415 Lauingen

Architekt: Volkmar Schubert, Dillingen

Die Altstadt von Lauingen bildet ein bemerkenswert gut erhaltenes Ensemble und weist einen hohen Bestand von Einzeldenkmalen auf. Eine Besonderheit bilden die Ackerbürgerhäuser, wie sie in Kleinstädten begegnen, heute aber fast vollständig verschwunden sind. Das stattliche Anwesen mit sechs Achsen, einem Tennenteil, zwei Wohngeschossen und dreigeschossigem Kehlbalken­dach besitzt an der Westseite einen repräsentativen geschweiften Schau­giebel, an der engbebauten Ostseite einen Fachwerkgiebel. Es läßt sich dendrochronologisch auf das Jahr 1688 datieren und war nach einem Leer­stand von fast 20 Jahren in einem ruinösen Zustand und sollte abgebrochen werden. Nach einer ersten statischen Sicherung wurde mit hoher Eigenleistung und persön­lichem Einsatz von insgesamt 14.000 Arbeitsstunden von dem Ehepaar Bühringer, die sich durch ihre Arbeit zu denkmalpflegerischen Fachleuten entwickelten, das Haus saniert, vier Wohnungen und ein 1-Zimmer-Appartement eingebaut und dadurch vor allem die städtebauliche Situation aufgewertet. Im Einzelnen wurden so weit möglich alte Bodenbeläge, die Treppe und das Fach­werk erhalten, die Fußpunkte des Dachstuhls handwerklich repariert und die nicht mehr funktionsfähigen Bauteile im Dachboden in einer Hauspräsen­tation gesammelt. Der Ausbau des ersten Dachgeschosses und die Umnutzung des Tennen­bereichs zu einem hochwertigen Wohnbereich geschahen sensibel. Hinter dem Haus ent­stand ein kleiner Stadtgarten. Die Rettung des Ackerbürgerhauses und die gelungene Wohnnutzung sind vorbild­lich. Die Kosten betrugen ca. 872.000,-- €, die öffentlichen Zuschüsse 305.000,-- €. Der Bezirkszuschuß betrug 5.000,-- €.

Foto des Trentinihauses in Kaufbeuren

Sonderpreis

Christoph Welsch, München

Sanierung des Trentinihauses, Gutenbergstr. 15 a, 87600 Kaufbeuren

Architekt: Christoph Welsch; Landschafts­architektin: Gudrun Maria Dietz-Hofmann, Irsee

Die Patrizier und wohlhabenden Kaufleute der ehemaligen Reichsstädte errichteten seit dem 16. Jahrhundert vor den Toren der Stadt für den Sommeraufenthalt je nach Vermögen Gartenhäuser, Landhäuser und Land­sitze mit Gärten und Park­anlagen. Die nach einem der Eigentümer Trentini genannte Villa geht auf eines dieser Gartenhäuser zurück, das bereits 1806 belegt ist. 1839 wurde das Anwesen als fünfachsige Sommervilla von einem Mitglied der damals in Kaufbeuren wirt­schaftlich führenden Familie Heinzel­mann errichtet. 1860 wurde es um drei Achsen verlängert und mit einem Mittelrisalit versehen, schließlich wurde 1889 ein zwei­geschossiger Winter­garten im Maximilianstil angebaut und der Park im englischen Stil neu gestal­tet. Der zweigeschossige herrschaftliche Bau mit Walmdach hat eine Länge von 30 m und eine Breite von 11,50 m. Von dem schlossartigen repräsenta­ti­ven Aussehen konnte man nach den Umbauten der 1970er Jahre nur mehr wenig erahnen, auch wenn die Bausubstanz im wesentlichen noch erhalten war. Der Gartensaal war teilweise zugemauert, Schaufenster verunstalten die Fassade, der Anstrich war lieblos. Die von Christoph Welsch nach Erwerb des Hauses durch­geführte denkmalpflegerische Sanierung zeigt einen sorgfältigen Rückbau auf den bauzeitlichen Zustand, die in Wertsetzung der alten Bauteile (Böden, Türen, Fenster, Wandfassungen) und den exakten Nachbau verlore­ner Bauteile (Fenster). Die ursprüngliche Raumaufteilung wurde wieder her­gestellt. Besondere Sorgfalt wurde der Außensanierung (Fenster, Farbgestaltung, Natur­steinarbeiten) beigemessen, durch die ein Juwel der Villenarchitektur des 19. Jahrhunderts wieder erlebbar wurde sowie der verwilderten Garten­anlage, deren noch erhaltenen Reste nach Erhebung der gestalterischen Leit­linien neu gestaltet wurden. Die denkmalpflegerische Sanierung hat mit hohem Einfühlungsvermögen und nach genauer baugeschichtlicher Analyse die vorhandenen Denkmalwerte wieder in Wert gesetzt und eine angemessene Nutzung für das Landhaus als Haus der Gesund­heit gefunden. Ein Kleinod der Villenarchitektur des 19. Jahrhunderts entstand in einer intelligent-sparsamen Maßnahme wieder. Die Kosten betrugen nur 598.000,-- €, die öffentliche Förderung betrug 273.000,-- €, der Bezirkszuschuß 10.000,-- €.