Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2009

Preisverleihung

Foto Verleihung des Denkmalpreises 2009

Der Bezirkstag von Schwaben hat in seiner Sitzung vom 13.12.2001, beginnend mit dem Jahre 2002, einen Denkmalpreis (10.000,-- €) sowie maximal 2 Sonderpreise (je 5.000,-- €) ausgelobt und als Kriterien die

  • fachliche Qualität der Maßnahme
  • das finanzielle Engagement des Eigentümers
  • die Kreativität bei der Durchführung
  • die Bedeutung des Denkmals

aufgestellt.

Die Preisübergabe fand am Montag, den 28. Juni 2010 um 19.00 Uhr in einem festlichen Rahmen im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt.

Foto Schwangauer Laubenhaus Beim Hiebler

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2009

Angelika und Dr. Dr. Dieter Rüth, Dietzenbach

Sanierung des Schwangauer Laubenhauses „Beim Hiebler“,
Hieblerstr. 13,
87645 Schwangau

Das historische Anwesen stellt den Typ eines sog. „Schwangauer Laubenhauses“ und „Flurküchenhauses“ dar. Die „Schwangauer Laube“ ist eine Besonderheit in der bayerischen Hauslandschaft und kommt als Siedlung konzentriert nur in Schwangau und Umgebung sowie in der Umgebung von Oberstdorf vor. Konstruktiv handelt es sich um einen Mittertennenbau als Holz-Ständerbohlenbau von 1777.

Das zweigeschossige, mit einem flachen Satteldach gedeckte Gebäude besitzt an der Giebelseite drei Fensterachsen und zwei Achsen für den Schopf. Die Traufseite hat im Wohnteil drei Fensterachsen. Der holzverschalte Giebel ist mit einem Balkon mit gedrechselten Balustern versehen. Die Wohnräume werden von einem außer­gewöhnlich breiten durchgestreckten Flur erschlossen. In diesem Flur ist die Küche untergebracht, die aufgrund ihrer Anordnung noch die Position der ehemaligen Rauchkuchl zeigt. Eine einläufige Holztreppe führt ins Obergeschoss sowie eine gemauerte Treppe in den Keller. Der Keller besteht aus einem Raum, dessen Wände aus Bruchstein gemauert sind. Von der Flurküche ist die Stube in der Süd­ostecke mit 2 x 2 Fensterachsen sowie die daran anschließende Kammer erschlossen. Rechterhand befindet sich der Wirtschaftsteil, der ebenfalls der Bau­zeit zuzuordnen und in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Das Ober­geschoss besitzt die gleiche Aufteilung.

Das seit 2000 leerstehende Haus war teilweise verwahrlost und durch bauliche Veränderungen seit den 1960er Jahren innen und außen gestört.

Die denkmalerfahrenen Eigentümer haben das Haus 2008 erworben und in Zusammenarbeit mit örtlichen Handwerkern unter Leitung des Restaurators Dr. Thomas Becker saniert.

In vollständiger Konsequenz wurden, wo immer möglich, alle neueren Ein-, Um- und Zubauten entfernt, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. So wurden etwa die neuen Bodenbeläge im Wohnzimmer und im Vorplatz entfernt, die alten Dielen frei gelegt, die modernen Fenster im Anbau zurückgebaut und dort Boden, Türen und Fenster in Zweitverwendung (Materialrecycling) eingesetzt, sämtliche Holzoberflächen gereinigt und teilweise die alte hochwertige Wand­malerei freigelegt, die alten Fenster sorgfältig repariert. Die neuen Materialien (Böden, Türe, Wände) bestehen aus einfühlsam eingebrachtem Altbaumaterial. Das Haus erhielt eine Dämmung im Obergeschoss und wird durch eine Wand­heizung beheizt.

Die Sanierungskosten betrugen ca. 200.000,-- €. Die Förderung geschah in Form der Steuervergünstigung.

Die Sanierung des Laubenhauses „Beim Hiebler“ hatte das alleinige Ziel, das alte Erscheinungsbild wieder erlebbar zu machen. Sämtliche modernen Funktionen ordnen sich diesem Ziel radikal unter, ohne dass heutige Standards fehlen.

Die Maßnahme belegt die hohe handwerkliche Qualität des alten Bauernhauses, die Schönheit der Holzarchitektur und die Möglichkeit, auf hohem Niveau in ihr zu leben. Eine richtungsweisende und vorbildliche denkmalpflegerische Sanierung.  Die historische Anmutung des Alters ist innen und außen prägend.

Foto Bauernhaus in Ried

Sonderpreis

Stefanie und Matthias Kappeler, Oberstdorf

Denkmalpflegerische Sanierung des Bauernhauses in Ried, Hausnummer 5, 87538 Obermaiselstein

Architekt: Franz Vogler, Oberstdorf

Nach dem Tod der letzten Hauseigentümer 1984/2005 blieb das Haus, das im Obergeschoß nur schwierig beheizt werden konnte, unbewohnt, war abbruchgefährdet und konnte allein durch den Kauf und die Sanierung durch die Familie Kappeler 2008/09 gerettet werden. Herr Kappeler ist Bauingenieur, baugeschichtlich kundig und denkmalerfahren. Er hat für das Haus ein verformungsgerechtes Aufmaß erstellt und die Geschichte des Hauses in einer bemerkenswerten Dokumentation erarbeitet. Das Wohngebäude, ein Blockbau, wurde um 1565 errichtet, das Keller­geschoss 1793 erneuert. 1907 kam der Wirtschaftsteil in seiner heutigen Form im Süden hinzu, der möglicherweise einen älteren Laubengang ersetzte. Damals erhielt die Fassade einen Schindelschirm. Der stehende Pfettendachstuhl (Firstpfette) weist eine Dachneigung von 18° auf. Fenster und Türen waren teil­weise noch aus dem 18. Jahrhundert vorhanden, die neueren größeren Fenster aus den 1950er Jahren wurden rückgebaut und durch Kastenfenster ersetzt. In dem Haus entstanden zwei Wohnungen, eine im Erdgeschoß, eine im Obergeschoß des Wohnhauses. Die geringen Raumhöhen im Blockbau (182 cm – 190 cm) wurden durch ent­sprechende Balkenkränze um jeweils ca. 25 cm angehoben und die Balkendecke durch eine 50 mm Dreischichtplatte verstärkt. In der Nord- und Ostfassade, die unverschindelt blieb, ist dieser Eingriff ablesbar, ohne dass er das Erscheinungsbild stören würde. Durch eine sorgfältige Wärmedämmung hinter der Holztäfelung der Wohnräume, am Dach und an den Decken wurden die Werte der EnEv (Energie­einsparverordnung) um 30 % unterschritten. Die historischen Fenster, Decken, Böden und Türen wurden sorgfältig restauriert und durch innenliegende Fenster nach Art von Kastenfenstern ergänzt. Die Gesamtkosten der Sanierung und Renovierung betrugen ca. 430.000,-- €, die öffentlichen Zuschüsse 39.000,-- €. Das Bauernhaus in Ried gehört zu den ältesten in Schwaben. Breit gelagert ist es ortsbildprägend. Der Erhaltungszustand des Blockbaues ist eigentlich bewundernswert. Die denkmalpflegerische Sanierung führt in handwerklicher Tradition die Baugeschichte für heutige Bedürfnisse fort und zeigt damit kreativ und beispielgebend, wie anpassungs- und entwicklungsfähig ohne Substanzverlust alte Häuser sind.

Foto Wohnhaus Schützenstr. 9 in Steinhart

Sonderpreis

Ilona und Matthias Fritzsche, Steinhart, Hainsfarth

Denkmalpflegerische Sanierung und Erweiterung des ehemaligen jüdischen Wohnhauses Schützenstr. 9 in Steinhart, Gemeinde 86744  Hainsfarth

Planung und Beratung: Architekt Fritz-Peter Weinberger, Wemding

Die Geschichte dieser Sanierung und Erneuerung ist ein Abenteuer. 1999 erwarben die im sozialen Bereich arbeitenden, damals noch unverheirateten Fritzsches, beide Mitte 20, dieses jahrelang unbewohnte Haus, ohne die anstehenden Aufgaben abschätzen zu können. Ende letzten Jahres waren alle Räume saniert. Da die Eigentümer im Haus wohnten wurde die Sanierung von Raum zu Raum durch­geführt, wobei 2002 der Nordgiebel des Hauses über dem Erdgeschoss im Fach­werk neu erbaut werden musste. Erdgeschoss und Obergeschoss des mehrfach umgebauten Hauses, in dem früher offensichtlich mehrere jüdische Familien wohnten, stammen aus dem Jahre 1701/02, das 2. Obergeschoss und Dachgeschoss sind von 1776. 1861 verließ die jüdische Familie Heymann den Ort. Die Erschließung erfolgte durch den Flur an der nördlichen Giebelseite. Matthias Fritzsche hat sich durch Kurse im Bauarchiv Thierhaupten und die Arbeit am Bau fortgebildet und mit seiner Frau die Maßnahme unter Beratung und Mit­arbeit kundiger Handwerker zum großen Teil mit insgesamt 12.355 Arbeitsstunden (bis 2008) selbst durchgeführt. Das im Erdgeschoss und Obergeschoss aus Bruch­steinen gefertigte Mauerwerk musste unterfangen werden. Das Fachwerk im 2. Obergeschoss wurde erhalten bzw. erneuert. Anstelle des kleinen Stalls aus dem 19. Jahrhundert wurde das Haus um eine Achse verlängert. Die Grundstrukturen des Hauses sowie sämtliche restaurierungsfähige Bauteile wurden erhalten. Für die neuen Teile wurden nach Möglichkeit alte Baumaterialien verwendet. Ein Rückbau der Ein- und Umbauten auf die ursprünglichen Strukturen (Fenster/Türen) wurde durchgeführt. Die Kosten der Sanierungsmaßnahme betrugen 250.800,-- €, die öffentliche Förderung betrug 24.000,-- €. Von den Bauherren wurden Sachleistungen im Wert von 23.000,-- erbracht sowie über 7 volle Jahre an dem Projekt gearbeitet. Die Rettung des jüdischen Wohnhauses in Steinhart und seine vorzügliche Sanierung wurde durch einen bemerkenswerten persönlichen Einsatz möglich. Die sorgfältige bauliche Erweiterung trug mit zur Erhaltung des Denkmals bei und kann damit als wegweisend bezeichnet werden.