Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2010

Preisverleihung

Die Verleihung des Denkmalpreises des Bezirks Schwaben 2010 fand am 18. Mai 2011 um 17.00 Uhr  im Rokokofestsaal der Regierung von Schwaben, Fronhof 10, 86152 Augsburg, statt.

Festrede

Herr Anton Hohenadl, Kreisbaumeister des Landkreises Ostallgäu, Thema „Gelungene Denkmalpflege aus der Sicht eines Kreisbaumeisters“

Musikalische Umrahmung

Stefan Barcsay, Gitarre

Foto des Reiberhofs in Bernbach, 86479 Aichen

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2010

Edeltraud und Georg Huber, Aichen

Denkmalpflegerische Sanierung und Umnutzung des Reiberhofs in Bernbach, 86479 Aichen

Architekt: Gerhard Glogger, Balzhausen

Der Reiberhof, errichtet 1874/75, ist nicht nur für den kleinen, etwas abgelegenen Ort Bernbach ortsbildprägend, sondern bildet für die gesamte landschaftliche Situation auf der Anhöhe über dem Bernbächle eine weithin sichtbare Landmarke. Seit 1993 stand der mächtige Hof mit Gastwirtschaft und einer Länge von 44 m und einer Breite von 13 m leer, war im Stallbereich bestandsgefährdet und insgesamt in einem desolaten Zustand. Die Größe der Anlage und die zum großen Teil noch vorhandene ursprüngliche Ausstattung stellten die Nutzungsfrage ins Zentrum. Frau Huber, die Urenkelin des Erbauers und seit 1993 Eigentümerin der Anlage, entwickelte ein innovatives Nutzungskonzept als Tagungs-, Freizeit- und Bildungsstätte, das vor allem Musikkapellen für Probenwochenenden zur Verfügung stehen sollte. Im Erdgeschoss blieb im Wesentlichen alles erhalten. Im Obergeschoss und im Dachgeschoss wurden ein Einzelzimmer, acht Doppelzimmer, acht
6-Bettzimmer mit entsprechenden Sanitäranlagen sowie Probenräume eingerichtet. Die Zimmer haben eine einfache, zweckmäßige und formschöne Einrichtung. Den Gästen steht eine große Küche im Erdgeschoss zur Verfügung. Der Kuhstall bildet einen attraktiven Veranstaltungssaal.

Denkmalpflegerisch sind hervorzuheben die sorgfältige Erhaltung aller alten Bauteile, wie Türen, zahlreicher Fenster, Dielenböden, böhmische Gewölbe im Stall, Treppenanlage, Stubenofen, Wandmalerei in den Schlafzimmern, die Stallfenster und die sorgfältige Restaurierung der Fassade nach Befund.

Das Haus wurde am Dach und an der Decke des 2. Obergeschosses gedämmt und wird mit Hackschnitzel geheizt. Die neuen Fenster wurden sehr sorgfältig nach den alten gestaltet, die Stallfenster blieben erhalten. Die neue Außenanlage ist einfach, zweckmäßig und der neuen Funktion angemessen. Die Sanierung wurde von 2005 bis 2010 durchgeführt. Die Resonanz auf den Hof hat sich bereits binnen kurzer Zeit sehr positiv entwickelt, wobei besonders Hochzeiten und Geburtstagsfeiern die idyllische Situation mit Übernachtungsmöglichkeit zu schätzen wissen.

Die Finanzierung war ein mutiger Kraftakt. Die Kosten betrugen 1.840.290,-- €, die öffentlichen Zuschüsse 747.500,-- €.

Die Familie Huber hat in Verantwortung vor der Familientradition mutig, mit hohem persönlichen und finanziellem Einsatz kreativ, innovativ und denkmalpflegerisch vorbildlich ein bedeutendes Denkmal, das eine Landmarke bildet, gerettet und ihm eine neue Zukunft gegeben.

Foto des Fachwerkhauses Milchgasse 4 in Kempten

Sonderpreis

Hermann Hagspiel, Kempten

Denkmalpflegerische Sanierung des Fachwerkhauses Milchgasse 4 in Kempten

Architekt: Hermann Hagspiel, Kempten

Erbaut wurde das Gebäude mit massivem Erdgeschoss und darüberliegendem Fachwerk um das Jahr 1730 als eine für die Stiftsstadt typische Herberge. Noch im 18. Jahrhundert wurden die ursprünglich zwei Wohnungen in insgesamt vier Wohnungen aufgeteilt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Dachgeschoss weitere vier Wohnungen eingebaut. Das Obergeschoss wurde durch einen seperaten Treppenaufgang erschlossen. Das Gebäude war zu Beginn des neuen Jahrtausends akut vom Abbruch bedroht und in Teilen einsturzgefährdet. Die Abbruchgenehmigung war bereits erteilt, als im Jahr 2006 das Gebäude als „zweigeschossiger Giebelbau mit Fachwerkobergeschoss“ in die Denkmalliste aufgenommen wurde und somit die Gefahr eines Abbruchs und einer Neubebauung gebannt war. Herr Hagspiel wurde durch einen Zeitungsartikel über die Aufnahme in die Denkmalliste auf das Anwesen aufmerksam.

Nach umfangreichen Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege erwarb Herr Hagspiel das Anwesen, mit dem Ziel, dieses wieder seiner ursprünglichen Gestalt und Qualität zuzuführen. Auf Grundlage umfangreicher Analysen wie Befunduntersuchung, dendrochronologische Untersuchung, verformungsgerechtes Aufmaß wurde die Sanierungsplanung durch den Bauherrn selbst erstellt, der sich mit viel Zeitaufwand in die Baugeschichte, die Analyse des Gebäudes und Fragen der Umnutzung eingearbeitet hatte. Die Querteilung des Hauses wurde aufgegeben und im Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachgeschoss je eine Wohnung (90 m²/90 m²/68 m²) errichtet.

Im Rahmen der Sanierung, die von 2006 bis 2008 stattfand, mussten zur konstruktiven Sicherung unter anderem Mauern trocken gelegt, Fundamente unterfangen und Sparren ausgetauscht werden. Ein Anbau aus den 40er Jahren wurde abgerissen und der historische Treppenaufgang in den 1. Stock wiederhergestellt. Der verdeckte Fachwerkgiebel wurde aufwendig saniert, soweit gut erhalten freigelegt und somit das stadtbildprägende Erscheinungsbild wiederhergestellt.

Im Inneren wurden unter anderem barocke Wand- und Deckenvertäfelungen vor Ort saniert, bauzeitliche Türen und Fenster wiederhergestellt, alte Fußböden aufgearbeitet und wieder eingebaut sowie das Fachwerk innen freigelegt. Neue Bauteile im Inneren wie im Äußeren wurden in schlichter Architektur dem Baudenkmal untergeordnet, so dass das Gebäude den Dialog von Denkmalpflege und zeitgenössischer Architektur auf gelungene Weise widerspiegelt.

Die Außenraumgestaltung entspricht der zurückhaltenden Architektursprache und reduziert sich auf Kiesbeläge, nicht eingefriedete Grasflächen und bestehende Obstbäume, so dass das Gebäude in seiner ganzen Prägnanz im Stadtraum steht.

Die Kosten der Sanierung und Umgestaltung des Gebäudes betrugen ca. 520.000,-- €. Die Maßnahme wurde mit einem Zuschuss in Höhe von 120.000,-- € aus dem Entschädigungsfonds unterstützt. Der Bauherr als Architekt und gelernter Maurer wie die ganze Familie erbrachten eigene Arbeitsleistungen in Höhe von ca. 55.000,-- € sowie die gesamten Planungsleistungen.

Die denkmalpflegerische Sanierung hat ein wertvolles Denkmal gerettet. Es bildet in der westlichen Stiftsstadt einen bemerkenswerten städtebaulichen Akzent.

Foto des ehemaligen Hotels Krebs in Donauwörth

Sonderpreis

Stadt Donauwörth, vertreten durch den Oberbürgermeister Armin Neudert, Donauwörth und die Firma Xaver Abenstein GmbH & Co. KG,  Ichenhausen

Denkmalpflegerische Sanierung des ehemaligen Hotels Krebs in Donauwörth und die Umnutzung zu einem Ärztezentrum

Architekten: Zimmermann und Keller Architekten BDA, Donauwörth

Das ehemalige Hotel Krebs, an der alten Donauleite gelegen, bildet von Süden über die Donaubrücke kommend eine städtebauliche Dominante und das prägende Empfangsgebäude der Stadt. Seit 1993 war dieser Komplex durch Leerstand, Plünderungen, Feuer ein Problemfall, bis die Stadt Donauwörth 2002 das Gebäude erwarb und mit dem Investor, der Firma Abenstein, in einer bemerkenswerten und beispielgebenden public private partnership die Sanierung und Umnutzung von 2007 bis 2009 durchführte.

An der nördlichen Donauleite, unmittelbar am Donauübergang, erhebt sich der schlossartige, dreigeschossige Baukomplex aus der Zeit um 1780 und 1838. In seiner Nutzung als Gasthof und Herberge hat das klassizistische Baudenkmal eine herausragende Bedeutung für Donauwörth.

Das Gebäude besteht aus drei Teilen: Ein Mitteltrakt wird im Westen und Osten von zwei Eckrisaliten flankiert. Die beiden Risalite krönen dreiseitig hohe Mansarddächer und schmücken dreieckige Ziergiebel (Frontispize) mit erhabenen Wappenschilden.

Der Zwischenbau liegt niedriger und besitzt ein Satteldach. Die Hauptansicht bildet die 1838 im klassizistischen Stil umgestaltete Süd- und Westfassade mit repräsentativer Gliederung und plastisch gearbeiteter Sockelrustika. Die Südfassade verzeichnet 19 Fensterachsen. Hervorzuheben sind die Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellten Fensterziergitter im zweiten Obergeschoss des Mittelbaus mit dem antikisierenden Motiv des römischen Wassergottes Neptun mit Hippokampengespann (Seepferdchen).

Die Stadt Donauwörth konzentrierte sich als Bauherr in Bauabschnitt I auf die Sanierung und Wiederherstellung der kulturhistorisch wertvollen Fassade (samt Natursteinrestaurierung), auf das denkmalgeschützte Dachtragwerk mit Dacheindeckung sowie auf die Restaurierung des historischen Treppenhauses im Westflügel.

Bauabschnitt II wurde vom Investor, der Firma Abenstein aus Ichenhausen, getragen. BA II umfasste die gesamte Sanierung und Umgestaltung der Innenräume zur Anpassung an die neue Nutzung als Fachärztezentrum, die Erschließung durch ein neu angebautes Treppenhaus mit behindertengerechter Aufzugsanlage an der Nordfassade sowie die Gestaltung der Außenanlagen.

Denkmalpflegerisch hervorzuheben ist die Wiederherstellung der Fassade, die Erhaltung des Treppenhauses sowie weitere Einzelteile (Mosaikboden, Türen, Dachstuhl, Arkaden, Balkon, Gitter). Im Inneren wurden die Bodenniveaus der neuen Nutzung gemäß angepasst, die Arkaden der Rückfront sind noch erlebbar, der Dachausbau geschah sensibel. Der gesamt rückwärtige Neubau kann für das Thema Alt-Neu als vorbildlich angesehen werden.

Die Kosten betrugen 7,25 Mio. € (Stadt Donauwörth: 2,45 Mio. €: Fa. Abenstein 4,80 Mio. €), die Zuschüsse 1,86 Mio. €.

Die Maßnahme kann für die Zusammenarbeit von Kommune und privatem Investor als innovativ und wegweisend bezeichnet werden und hat städtebaulich der Stadt Donauwörth einen wichtigen Teil ihres Erscheinungsbildes wieder zurückgegeben.

Foto der alten Schule Kimratshofen

Anerkennungspreis

Katholische Kirchenstiftung „St. Agatha“, Altusried-Kimratshofen

Alte Schule Kimratshofen

Architekten: Willi Wollmann, Waltenhofen und Michael Schmidbauer, Fischen

Die alte Schule in Kimratshofen wurde im 18. Jahrhundert als Schul- und Mesnerhaus errichtet. Das Gebäude wurde bis 1923 als Schule genutzt, danach als Wohnhaus und war zuletzt nur mehr teilweise genutzt. Seit dem Jahr 2000 sollte das Gebäude mit einem breiten Konsens abgebrochen und ein neues Pfarrheim errichtet werden.

Es waren im Wesentlichen zwei hartnäckige und starke Frauen, welche das Gebäude gerettet haben: Kreisheimatpflegerin Ingrid Müller und Kirchenpflegerin Karin Hagspihl.

Durch die sorgfältig durchgeführte Sanierung konnte die Ausstattung weitgehend erhalten werden. Besonders hervorzuheben sind die Türen, Fenster, Dielenböden, die Täfelung der ehemaligen Wohnung, Öfen, Wandfassungen, der vollständig erhaltene barocke Dachstuhl und die Treppe. Der Versammlungsraum und die Gruppenräume wurden im ehemaligen Stadelteil, der bei Erhalt der Dachkonstruktion und der Stützen der westlichen Giebelwand neu errichtet wurde, untergebracht. Er ist äußerlich durch die Holzverschalung gekennzeichnet. Die Holzdecken im Gebäude wurden gedämmt.

Durch die Sanierung wurde ein wesentlicher Teil der Schul- und Pfarrgeschichte und das sehenswerte Kirchenensemble erhalten.

Die Baumaßnahme wurde 2009/2010 ausgeführt. Der cbm-Preis für die Baukosten mit Haustechnik, Ausstattung und Nebenkosten beläuft sich auf 260,-- € und liegt damit unter Neubaukosten.

Die Pfarrei hat durch Sammlungen und Spenden einen Eigenanteil in Höhe von
146.500,-- € eingebracht; außerdem wurden 1.180 freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Die Maßnahme, die 2007 bis 2010 durchgeführt wurde, kostete 693.000,-- € und wurde mit 546.500,-- € gefördert.