Preisverleihung

Die Verleihung des Denkmalpreises findet am Dienstag, den 17. April 2012 um 18.30 Uhr in die Halle 6 der Messe Augsburg auf der Augsburger Frühjahrsausstellung statt.

Festrede

 

„Zukunft mit Denkmälern“
Prof. Dr. Egon Johannes Greipl
Generalkonservator
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Musikalische Umrahmung

Angela Rossel, Violine
Ruth Maria Rossel, Cello

Foto des Reiberhofs in Bernbach, 86479 Aichen

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2011

Brigitte und Steffen Haid, Obergünzburg

Denkmalpflegerische Sanierung und Umnutzung der Schlossmühle Liebenthann, 87634 Obergünzburg

Architektin: Marion Bartl, Obergünzburg

Das Schloss Liebenthann war mehrere Jahrhunderte Verwaltungsmittelpunkt eines stiftkemptischen Amtes. Die Schlossmühle aus dem Jahre 1698 bildet in dem lieblichen Tal ein reizvolles Ensemble, das dem Verfall preisgegeben war. Es konnte durch das außerordentliche Engagement des Ehepaars Haid, die das Anwesen 2004 erwarben und sanierten, gerettet werden. Die Familie Haid, mittelständische Unternehmer in Baden-Württemberg, wollte mit knapp 50 Jahren noch mal etwas Neues beginnen und so begann eine bemerkenswerte Denkmalgeschichte.

Die Mühle, im Kern aus dem Jahre 1698, wurde 1745 erweitert, bis 1916 im Mahlbetrieb betrieben und stand seit 1988 leer. Die Remise stammt aus dem Jahr 1832. Zur Erhaltung des Mühlgebäudes mussten 78 Betonpfähle bis zu einer Tiefe von 6 m in den torfigen Untergrund eingebaut werden, das Mauerwerk unterfangen und eine Betonplatte eingebracht werden. Dann konnte mit der Sanierung und Umnutzung der Mühle begonnen werden.

Im Gebäude entstanden drei Wohnungen, eine wird von den Eigentümern bewohnt, die anderen werden vermietet.

Sämtliche historischen Bauteile wurden sorgfältig gesäubert und erhalten, so sind die Wandfassungen, Böden, Fenster und das Mauerwerk aus drei Jahrhunderten zu sehen. In der Mühlstube wurde ein Mahlstuhl mit Zubehör nachgebaut und ein eisernes Kammrad aus Osterzell angekauft, um den Mühlbetrieb zu dokumentieren. Die noch erhaltene Gattersäge aus den 1920er Jahren wurde wieder in Betrieb genommen.

Die dem Mühlgebäude gegenüberliegende Remise wurde zu einem Wirtshaus mit Biergarten in einfacher Weise umgebaut und ist inzwischen ein beliebtes Ausflugsziel. Auf den 4 ha Grund befindet sich eine Ochsenweide für das selten gewordene Allgäuer Braunvieh, ein Projekt, das im Rahmen der Stiftung Kulturlandschaft Günztal stattfindet.

Bei der Mühle werden biologische Wanderungen, Sägevorführungen und Wasseruntersuchungen angeboten. Das Gesamtprojekt Liebenthannmühle ist von überregionaler denkmalpflegerischer, musealer, kulturlandschaftlicher und touristischer Bedeutung, eine paradigmatische Leistung schwäbischer Schaffenskraft und Schaffensfreude. Die Familie Haid hat sich in hohem Maße für Schwaben verdient gemacht.

Sonderpreis

Karin Rinkenburger, Dillingen

Denkmalpflegerische Sanierung und Umnutzung einer Jugendstilvilla


Zwischen 1890 und 1914 entstanden an der Nordseite der Durchgangsstraße nach Lauingen eine Reihe repräsentativer Villen der Dillinger Oberschicht mit Gartenanlagen.

Im Jahr 1912 ließ sich der Dillinger Arzt Dr. Konrad Imminger hier durch den Zuffenhausener Architekten Paul Schaefer eine dreigeschossige Jugendstilvilla errichten. Dieses herrschaftlich wirkende Anwesen mit seinem halbrunden, wappengeschmückten Turmerker in der Mitte der Frontfassade, der Loggia im ersten Stock, dem noch erhaltenen Terrazzoboden und zwei gemalten Glasfenstern mit Blumenbuketts im Erdgeschoss aus der Entstehungszeit des Hauses hat im Laufe der Jahre kaum bauliche Veränderungen erfahren und zählt zu den qualitätsvollsten Bauten der Großen Allee in Dillingen.

Zur sorgfältig erhaltenen und sanierten Ausstattung gehören weiterhin der Treppenaufgang, die Türen und teilweise die Eichenfenster, ein schöner Einbauschrank im Obergeschoss und die Natursteinbauteile. Die neuen Fenster wurden nach dem Original nachgebaut.

Die Räume wurden teilweise neu geordnet, Sanitäranlagen eingebaut, die Loggia innen verglast und das Dachgeschoss ausgebaut. Die liegenden schmalen Dachflächenfenster ermöglichen eine gute Belichtung und fallen nicht auf. Die energetische Ertüchtigung geschah durch die Dachdämmung und eine Innendämmung. Die Generalsanierung der Jugendstilvilla, die fünf Jahre leer stand und einen wenig ansehnlichen Eindruck machte, und ihre Umnutzung in ein Bürogebäude wurde mit hoher Professionalität in knapp 4 Monaten durchgeführt und kann vorbildlich aufzeigen, welche Chancen und Möglichkeiten gekonnte Denkmalpflege bietet. Die Jugendstilvilla ist wieder ein Schmuckstück. Die Nutzfläche beträgt ca. 400 m², die Sanierungskosten betrugen 530.000,-- €.

Sonderpreis

Andrea Müller, Erkheim

Denkmalpflegerische Sanierung des Memminger Patrizierschlösschens

Planung: Architekturbüro Troppmann & Kollegen, Regensburg

Zum Lebensstil der patrizischen Oberschicht in den Reichsstädten gehörte es, in den Sommermonaten auf dem Land zu leben, nach adeligem Vorbild ein Schloss oder Landgut zu errichten oder gar selbst eine Grundherrschaft mit Schloss zu erwerben. Die Eheleute Hans Conrad Ott (Ulm) und Margarete Stebenhaber (Memmingen) stammten aus angesehenen Patrizierfamilien und errichteten in der ottobeurer-memminger gemischten Herrschaft Erkheim ein kleines Schloss, zu dem 250 ha Grundbesitz gehörten. Seit 1970 ist es im Eigentum der Familie Müller.

Das auf einer kleinen Anhöhe gelegene Patrizierschlösschen bildet eine weithin sichtbare Landmarke.

Der ca. 11,60 x 17,60 m große, zweigeschossige Hauptbau ist im nord-westlichen Bereich unterkellert (2 Tonnengewölbe) und entspricht in seiner derzeitigen Grundrissgestaltung noch der ursprünglichen Dreiteilung in Mittelflur und zwei Wohnbereiche.

Das ziegelgemauerte Gebäude steht auf gemauerten Steinsockelquadern aus Nagelflu und trägt ein zweigeschossiges Satteldach.

Über die in der Mitte des Flures gelegene Treppe gelangt man in das Obergeschoss. Auch hier entspricht die derzeitige Grundrissgestaltung der früheren Dreiteilung.

Über dem nord-westlichen Raum hängen, an der Zerrbalkanlage befestigt, die Reste einer prunkvollen Stuckdecke.

Im Inneren des Gebäudes zeigen sich noch im wesentlichen die Ausstattungen des 18. Jh. durch Rahmenstuckdecken und Innentüren samt Beschlägen sowie des 19. Jh. durch eine neugotische Brettbalustertreppe, Ziegelbeläge, Kreuzstockfenster und mehrfeldrige Füllungstüren.

Die Befunduntersuchungen zeigten zusätzlich bauzeitliche sowie barocke Wandfassungen mit Säulchendarstellung bzw. Blattranken.

Äußerst bemerkenswert ist die qualitätsvolle, bauzeitliche Fassadenbemalung.

Die Bauherrin ist hier aufgewachsen und mit dem Bau vertraut. Durch die Sanierung entstanden zwei Wohnungen (EG/OG). Die Fundamente mussten unterfangen werden, ein störender Schmiedeanbau wurde entfernt. Sämtliche noch erhaltenen historischen Ausstattungsteile wie Böden, Türen, Fenster (Holz, Ziegel) wurden mit großer Sorgfalt erhalten, gereinigt, ergänzt und wieder in Wert gesetzt, die Fenster durch neue Innenfenster energetisch verbessert. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Restaurierung der aufwendigen Fassadenmalerei gelegt, so dass das älteste noch erhaltene Patrizierschlösschen wieder weithin erlebbar wird. Die Maßnahme wurde begleitet durch eine hohe persönliche Eigenleistung der Bauherrin und ihres Vaters, die über vier Jahre ihre gesamte Freizeit für die Arbeit am Schloss aufwandten. Die Sanierung ist vorbildlich.

Anerkennungspreis

Projektbeteiligte: Markus Seiler, Claudia Ried M.A., Kreisheimatpflegerin Gisela Mahnkopf,
Wolfgang Kucera, Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte, Realschule Neusäß, Gemeinde
Horgau, Kreisjugendring, Bayer. Staatsforsten

Freilegung des Bodendenkmals „Blechschmiede“ Horgau - KZ-Außenlager von Dachau und Waldfabrik für die NS-Rüstungsproduktion


Vorgeschichte

Seit März 1944 versuchte das Rüstungsministerium in Folge der alliierten Luftangriffe die Rüstungsproduktion an sicheren oder verborgenen Stätten fortzuführen. Die Organisation Todt errichtet in dem Hochwald bei Horgau, nahe der Bahn und Autobahn ab September 1944 ein Lager aus 21 einfachen Holzbauten; die drei Produktionsgebäude hatten Betonböden, Kräne, Einspannvorrichtungen und Transportbänder und dienten der Montage der ME 262. Die Produktion mit vielleicht 550 Zwangsarbeitern, KZ-Häftlingen und Facharbeitern begann im März 1945. Am 9. März langte ein Transport mit 307 KZ-Häftlingen aus Bergen-Belsen in Horgau an. Über 20 Häftlinge starben in Folge der Lagerarbeit. Anfang April wurde das Lager aufgelöst, die 274 Häftlinge in das Außenlager Pfersee überstellt. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde das Lager abgebrochen, es überwucherte, eine neue Fichtenpflanzung ließ die Reste der Fundamente verschwinden.

Die Maßnahme

Im Rahmen eines Masterstudienganges untersuchte der aus Horgau kommende Markus Seiler im Herbst 2007 die Häftlingsgesellschaft im KZ Dachau nach Anzeichen von ‚Sozialem Kapital’. Er begeisterte seinen ehemaliger Lehrer, Kurt Lemmerz, und Schüler der Realschule Neusäß für die Idee, ein Außenlager des KZ Dachau zu erforschen, dessen Relikte versteckt im Wald nordöstlich der Gemeinde Horgau liegen. Zusammen mit dem Kreisjugendring Augsburg-Land wurde das Projekt „Arbeitshandschuhe statt Zeigefinger“ ins Leben gerufen.

Claudia Ried vom Büro der Kultur- und Heimatpflege und Kreisheimatpflegerin (Archäologie) Gisela Mahnkopf sowie der Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg e.V. unterstützten maßgeblich seit Herbst 2009 das Projekt, um u.a. die erforderlichen Vermessungsarbeiten der Anlagen durchzuführen, die noch erhaltenen Fundamente freizulegen und eine gesicherte Finanzierung des Gesamtprojekts zu erlangen.

Da das Areal der Waldfabrik in der Zwischenzeit den Status eines Bodendenkmals (Fundstellennummer 7530-0115) erhalten hatte, wurde der für alle Maßnahmen erforderliche Antrag auf Grabungserlaubnis gestellt und vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde auch erteilt.

Die Projektplanung umfasste jedoch nicht nur die Bestandsaufnahme und Vermessung der noch vorhandenen Baustrukturen, sondern auch eine Archivrecherche durch Historiker, die Gestaltung und Aufstellung von 2 Informationstafeln am Radweg Weldenbahn im nahen Ortsteil Horgau-Bahnhof und am Gelände der Waldfabrik, sowie eine Visualierung der Dimensionen und Verteilung der Gebäudereste im Wald durch farbige Holz-Stelen und kleine Hinweistafeln.

In einer Broschüre konnte das Gesamtprojekt vorgestellt und die wichtigsten Ergebnisse aus den Recherchen und der Bestandsaufnahme sowie Zeitzeugeninterviews und Berichte veröffentlicht werden.

Die Finanzierung erfolgte mit Mitteln aus dem Modellprojekt Archäologie und Ehrenamt, der Bayerischen Staatsforsten AöR, der Gemeinde Horgau und der Walther-Seinsch-Stiftung (Kreisjugendring).

Insgesamt wurden über 1000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeitszeit geleistet. Durch die gemeinsame Arbeit wurde ein authentischer Ort des nationalsozialistischen Terrors als Erinnerungsort wieder erlebbar gemacht und damit ein wichtiger Beitrag zur Erforschung der NS-Zeit und der Erinnerungskultur der Gegenwart geleistet.

Das Projekt ist vorbildlich und beispielhaft – deutschlandweit. Das Preisgeld geht an den Arbeitskreis für Vor- und Frühgeschichte im Heimatverein für den Landkreis Augsburg e.V. zur Entwicklung eines Pflegeplans der Anlage mit den Beteiligten.