Preisverleihung

Die Verleihung des Denkmalpreises fand am Dienstag, den 23. April 2013 im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt

Festrede

 

„Altlasten, Wertobjekte, Geschichtszeugnisse, Lebensorte: Denkmalvorstellungen“

 

Martin Wölzmiller
Geschäftsführer
Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e.V.

Musikalische Umrahmung

Stefan Barcsay, Gitarre

Foto des von Jan'schen Hauses in 86757 Wallerstein

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2012

Dr. Erich und Annemarie Schmidtmayer, Nördlingen

Denkmalpflegerische Sanierung des von Jan'schen Hauses, Untere Bergstr. 6, 86757 Wallerstein

Architekt: Bruno Siegelin, Herdwangen

 

Das von Jan'sche Haus, in Wallerstein wurde um 1765 als Vogthaus errichtet, diente zeitweilig der Gemeinde als Rathaus, wurde ab 1788 von dem oettingen-wallerstei-nischen Leibarzt Julius von Jan klassizistisch umgeformt und war seit den 1980er Jahren ein denkmalpflegerischer Problemfall, zuletzt akut substanzgefährdet. Im Jahre 2000 erwarben Dr. Erich und Annemarie Schmidtmayer aus Nördlingen, die bereits für die denkmalpflegerische Sanierung des Stadthauses Polizeigasse 20 in Nördlingen höchste Anerkennung erhalten hatten, das ruinöse Anwesen und führten nach detaillierter Befunduntersuchung und Vorplanung eine denkmalpflegerische Sanierung 2002 bis 2011 durch. Die Maßnahme umfasste die Mauer, den Hofraum, das Neben- und Hauptgebäude mit Waschhaus und die Gartenanlage.

Die Perfektion der Durchführung setzt Maßstäbe, die sch nur aus einer Denkmalbegeisterung und einer höchst sachkundigen Vertrautheit mit allen praktischen und theoretischen Denkmalfragen erklären lassen. Sämtliche historischen Bauteile wurden erhalten und im Material beispielhaft repariert: zweischaliges Mauerwerk, Bodenbelag, Fenster, Dachstuhl etc. Für sämtliche "neuen" Materialien wurden in einer jahrelangen Materialsuche nach historischen Materialien in Deutschland und dem Ausland gesucht, um ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen: Schlösser, Bodenbelag, Dachziegel, Felderfußboden, Öfen, Pflaster. Das Wohnhaus wird durch eine Wandheizung beheizt. Die Reparaturen und Ergänzungen wurden materialgerecht vorbildlich durchgeführt. Die neue Infrastruktur (Bad/Toilette) ist in Nebenräumen untergebracht, die Gestaltung verbindet moderne Reduktion und historische Nachempfindung.

Bei der Fassadengestaltung wurde die klassizistische Fassadenmalerei rekonstruiert. Die Schlagwasserableitung geschieht durch einen Lehmschlag an der Hauswand. Die Gartengestaltung mit einem historischen Brunnen, einem Pavillon, einer Zisterne orien-tiert sich gestalterisch am ausgehenden 18. Jahrhundert.

Die Familie Dr. Erich und Annemarie Schmidtmayer hat sich nach der Sanierung der Polizeigasse 20, die 2000 den Hypo-Denkmalpreis erhielt, höchste Anerkennung für die Rettung und Sanierung des von Jan'schen Anwesen in Wallerstein verdient.

Die Maßnahme wurde mit 924.000,-- € Zuschussmitteln (davon 40.000,-- € vom Bezirk Schwaben) und Darlehen gefördert.

Sonderpreis

Sandra und Joachim Gareiß, Unterthingau

Denkmalpflegerische Sanierung, Ergänzung und Umgestaltung des ehemaligen Bauern-hofes, Marktoberdorfer Str. 2, 87647 Unterthingau

Architekt: Dipl.-Ing. Markus Hafner, Görisried

 

Der ehemalige Bauernhof in Unterthingau aus dem Jahre 1661, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts um einen Widerkehr erweitert, steht in unmittelbarer Nähe zum Schloss an der Hauptstraße und bildet eine städtebauliche Dominante im Orts- und Straßenbild.

Nach längerem Leerstand gelang es mit Hilfe der Gemeinde und des Landkreises 2010, das Anwesen an das erhaltungswillige Ehepaar Gareiß zu vermitteln, die eine bemerkenswerte denkmalpflegerische Sanierung durchführten und in dem Wohnteil des Bauernhauses, einen Seminarraum, einen Kosmetiksalon, weitere Büro- und Wohnräume, in Stall und Stadel einen Friseursalon und in dem in alten Dimensionen neu errichteten Widerkehr, der nicht mehr erhalten werden konnte, einen Gasthof und eine Wohnung unterbrachten. Der Altbau wurde vorbildlich denkmalpflegerisch saniert und energetisch ertüchtigt (Dachdämmung, Ergänzung der alten Fenster durch neue Innenfenster zu Kastenfenstern, Innendämmung), die alten Bauteile gesäubert und erhalten.

Eine besondere Lösung wurde für den Friseursalon gefunden. Der Stall mit teilweise ruinösem Mauerwerk wurde gereinigt und das Mauerwerk gefestigt und bildet nun den Hintergrund für die hochmoderne Einrichtung des Friseursalons - ein faszinierendes Schau- und Raumerlebnis.

Ein eingeschobener Verbindungstrakt im Obergeschoss des alten Wirtschaftsteils führt vom alten Wohnhaus durch Stall und Stadel in die neue Wohnung, die sich im Neubau des Widerkehrs befindet.

Innovativ wird der Friseursalon durch eine Deckenheizung beheizt.

Durch eine durchdachte Planung gelang es binnen weniger Monate, ein überzeugendes Raumkonzept für das Anwesen zu entwickeln, die städtebauliche Situation wieder herzustellen und alle wesentlichen denkmalpflegerischen Teile vorbildlich zu erhalten.

Die Gesamtkosten der Maßnahme betrugen 415.000,-- €, der Bezirkszuschuss betrug 5.800,-- €.

Sonderpreis

Renate und Franz J. Strauß, Bolsterlang

Denkmalpflegerische Sanierung und Umbau des ehemaligen Bauernhofes in Sonderdorf Nr. 23, 87538 Bolsterlang

Architekten: Franz Vogler, Oberstdorf, Creaplan Metzler, Blaichach

 

Das Anwesen, im Kern ein Blockbau aus dem 17. Jahrhundert, mit Stall und Stadel und Längsschopf an der Ostseite, war durch Leerstand und unsachgemäßem Umgang in seiner historischen Substanz auf den Blockbau mit Ausstattung (Böden, Decke, Täfer) und den Dachstuhl im Stadel reduziert.

Durch die denkmalpflegerische Sanierung wurde in der Tenne ein großzügiger offener Wohnraum geschaffen, der Stall zu einer Garage, der Längsschopf zu einer Ferienwohnung umgestaltet und im Blockbau sämtliche alten Bauteile sorgfältig gereinigt und neu in Wert gesetzt. Die Ergänzungen im Blockbau wurden materialgerecht und sorgfältig durchgeführt. Durch die Herausarbeitung der alten Holzbaukunst wirkt der Blockbau wie ein Kunstwerk im Gesamtanwesen. In der Tenne konnten Teile des Dachstuhls erhalten bleiben. Alle neuen Elemente (Boden, Wände, Treppen) sind in Form und Material zeitgemäß, so dass sich ein spannungsvolles Gegenüber von Alt und Neu ergibt. Die Fenster im Blockbau wurden nachgebaut und durch ein neues Außenfenster zu einem Kastenfenster ergänzt. Gedämmt wurden im Blockbau die Innenwände und die Decke, in der Scheune das Dach. Das Haus erhielt nach altem Vorbild wieder eine Verschindelung.

Das stattliche Anwesen besaß einen geräumigen Weberkeller, dessen Funktion an den großen Fenstern am Bodenniveau erkennbar ist. Die Bauherren schufen in der Tenne einen modernen Wohnraum, der die Dimension eines lichtdurchfluteten Schlosssaales besitzt und sanierten den Blockbau mit großer Sorgfalt und mit Einfühlungsvermögen, so dass sich eine bemerkenswerte Raum- und Wohnqualität ergibt.

Die Eigentümer nahmen nur die steuerliche Förderung wahr, die Sanierungskosten blieben mit ca. 1.500,-- €/m² Nutzfläche unter entsprechenden Neubaukosten.