Preisverleihung

Die Verleihung des Denkmalpreises fand am Dienstag, den 20. Mai 2014 im Rokokosaal der Regierung von Schwaben in Augsburg statt.

Festrede

Dipl.-Ing. Mathias Pfeil
Generalkonservator
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Musikalische Umrahmung

Stefan Barcsay, Gitarre

Denkmalpreis des Bezirks Schwaben 2013

Ursula und Dr. Elmar Renner, Neusäß

Denkmalpflegerische Sanierung Denkmalpflegerische Sanierung des Schlosses Hainhofen, Ottmarshauser Str. 89, 86356 Neusäß-Hainhofen

 

Das ursprünglich als Wasserschloss im 13. Jahrhundert errichtete Gebäude befand sich über Jahrhunderte im Besitz Augsburger Patrizier. Das heutige Schloss, ein viergeschossiger würfelförmiger Walmdachbau, wurde unter Anton Fugger seit 1582 erbaut, um 1730 und 1840/50 neu ausgestattet. Es bildet im Nahbereich Augsburgs eine bedeutsame Landmarke.

Das Schloss wurde in den letzten 20 Jahren durch unsachgemäße Behandlung im Bereich des Dachstuhls, der Böden, der Türen, sowie der übrigen Ausstattung nahezu vandalenhaft beschädigt.

Seit 2006 führt das Ehepaar Dr. Renner die denkmalpflegerische Sanierung des Schlosses durch.

Hierzu mussten der abkippende Dachstuhl gerettet und die Böden, auf denen zum Teil offene Feuer gehalten wurden, erneuert werden. Die abgelaugten Türen wurden wieder gefasst und die beschädigten Wandfassungen und Stukkaturen restauriert und erneuert, sowie ein Balkon neu geschaffen. Diese Auflistung zeigt bereits, dass praktisch kein Ausstattungsteil mehr heil war.

Grundanliegen der Bauherren war es, das Schloss des 18. Jahrhunderts wieder erlebbar zu machen. Einbauten der jüngsten Zeit wurden entfernt. Um eine der Bauzeit gemäße Ausstattung zu erhalten, wurde weithin nach historischen Baumaterialien und Ausstattungsstücken gesucht, um so Stockwerk für Stockwerk ein stimmiges Ambiente zu schaffen.

Die Perfektion der hier durchgeführten Maßnahme setzt selbst wieder Standards und wird neue Impulse geben.

Die Aufwendungen für die Sanierung und Ausstattung betrugen bis Oktober 2013 2.537.174,-- €. Der Zuschuss des Bezirks Schwaben betrug 19.000,-- €.

Sonderpreis

Martina und Martin Stumpf

Denkmalpflegerische Sanierung des Winter´schen Hauses, Bräugasse 2, 86720 Nördlingen

Architekt: Wilhelm Stark, Nördlingen

 

Der dreigeschossige Fachwerkbau über massivem Sockelgeschoss wurde 1678 von dem kaiserlichen Notar Nikolaus Kosbelt errichtet. Durch seinen weitgehend ursprünglichen Erhaltungszustand bildet er eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der Nördlinger Bürgerhauskultur. Er verfügt über eine hoch bedeutende Innenausstattung mit aufwendig gestalteten Türen und Türrahmungen, stukkierten Decken und einer Vielzahl von emblematischen Bildern, die insgesamt zu den wichtigsten kunsthistorischen Beiträgen dieser Bauaufgabe in Bayern gehört.

Die historische Struktur und die Ausstattung wurde in perfekter Weise erhalten und denkmalpflegerisch saniert. Das neue Nutzungskonzept mit Wohn- und Büroräumen fügt sich sensibel ein.

Zu den Erneuerungsmaßnahmen zählen die Sanitärbereiche - als „Möbel eingestellt“ -, ein neues Energiekonzept, die Infrastruktur, der Neuaufbau des Fundaments und die Instandsetzung des Dachwerks.

Die Maßnahmen sind in jeder Hinsicht vorbildlich.

Die Baukosten betrugen ca. 515.000,-- €, der Zuschuss des Bezirks Schwaben betrug 13.000,-- €.

Sonderpreis

Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Donau-Ries e.V., Geschäftsführer: Günter Schwendner, Nördlingen

Denkmalpflegerische Sanierung und Umnutzung der Beck’schen Häuser, Bräugasse 8, 10 und 12, 86720 Nördlingen

Architekt: Heinz Schmitzer, Nördlingen

 

Ein Aquarell von Albrecht Adam von 1802, das sich heute im Stadtmuseum in München befindet, zeigt eine romantische Stadtsituation von Nördlingen mit drei einfachen erdgeschossigen Handwerkerhäusern mit hoch aufragenden Dächern, die im „Daniel“ ihren optischen Fluchtpunkt besitzt. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts reichen die Häuser Nr. 8 und 10 zurück, während das dritte Haus um 1592 errichtet wurde. Über 50 Jahre standen sie leer, waren zuletzt ruinös. Ihr Erhalt ist vor allem der Hartnäckigkeit des ehemaligen Bürgermeisters Paul Kling zu verdanken. Im Jahr 2007 entwickelte die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Donau-Ries e.V. ein Projekt, in den kleinteiligen Häusern eine besondere Wohnform für Menschen mit Behinderungen einzurichten. So entstand ein betreutes Wohnheim mit 8 Appartements und einem Gemeinschaftsraum. Die Grundstrukturen des Hauses sowie die historischen Bauteile, insbesondere die Fenster wurden erhalten, die Häuser mit einem Durchgang verbunden. Durch die Absenkung des Bodens wurde eine Raumhöhe von ca. 2,30 m geschaffen. Durch diese fast kaum mehr erhoffbare Maßnahme gelang es, eine städtebaulich wichtige Situation zu erhalten und durch die kreative Durchführung einen historischer Bestand so weit wie möglich zu bewahren. Die neue Funktion machte das für die „Alte Stadt“ typische Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung als gelebte Normalität wieder möglich.

Die Gesamtkosten betrugen 1.850.000,-- €, die Förderung des Bezirks Schwaben belief sich auf 29.000,-- €.