DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Mühle der späten Merowingerzeit

Dasing (Gem. Dasing)

Gewässer: Paar
Historische Daten: 744 (Fertigstellung). Nach 789 kam das Ende der Mühle.
Nicht öffentlich zugänglich.

 

Die erste archäologisch bestätigte Wassermühle bei Dasing entstand im Frühjahr 744. Vom Ort aus gesehen befand sie sich in einer Mäanderschlinge auf dem diesseitigen Westufer der alten Paar.

 

Eine dendrochronologische Untersuchung im Rahmen der Rettungsgrabung ergab, dass alle Hölzer für den Mühlenbau im Winter des Jahres 743/44 geschlagen worden waren.

Nach mehreren Reparaturen in den Jahren zwischen 760 und 773 wurde das Gebäude im Frühjahr 780 – wahrscheinlich nach einer Überschwemmung – erneuert und um zwei Joche nach Norden erweitert.

Die letzten Reparaturen erfolgten im April/Mai 789 an den tragenden Pfosten und im Kern des Gebäudes.

 

Bereits zu Beginn der Rettungsgrabung fand man am Rand des Damms bzw. schon im Bereich des Mühlteichs mehrere rechteckige, bis zu einem halben Meter lange Buchenholzbretter mit Griffenden, die sich als Mühlradschaufeln erwiesen. Im mittleren Gebäude-Innenraum wurde – eingebettet in das Überschwemmungssediment – der Rest eines Mühlrads aus Birkenholz geborgen, das einen Durchmesser von 1,60 m besaß und aus 4 Segmenten zusammengesetzt war. In den rechteckig ausgestemmten Löchern des Radkranzes waren 24 Schaufeln eingesetzt und mittels langer Keile befestigt.

 

Ursprünglich dürfte die Mühle zwei Mühlräder besessen haben. „Die Position eines Mühlrads ergibt sich aus dem zahmen Gerinne, das vor der Ostwand des Gebäudes vorbeiführte und vom Überhang des Strohdachs bedeckt war.“ (Wolfgang Czysz, Die ältesten Wassermühlen, S. 27). Das unterschlächtige Mühlrad übertrug die Umdrehungen des Schaufelrads durch die hölzerne Welle auf das Kammrad im Innern der Mühle. Von diesem Kammrad konnte man einige Zähne („Kämme“ oder „Kammen“) mit asymmetrisch abgestoßenem Kopf eindeutig identifizieren.

 

Vom Mahlgang wurden 325 Fragmente von mindestens 31 Mühlsteinen gefunden.

 

Eine ungewöhnlich starke Überschwemmung nach 789 zerstörte dann die Westwand der Mühle und ließ das Dach einstürzen. „Vom Aussehen der abgelagerten Sedimente kann man [...] sagen, dass es sich damals nicht um eine der für das Paartal typischen, maximal knietiefen Frühjahrshochwasser gehandelt haben kann, sondern um eine heftige Hochflut, die sogar die metertief eingerammten Wandpfeiler zum Teil aus ihrer Verankerung riss.“ (Wolfgang Czysz, Die ältesten Wassermühlen, S. 35). Dies brachte das Ende der Mühle.

 

 

 

Wolfgang Czysz, Die ältesten Wassermühlen. Archäologische Entdeckungen im Paartal bei Dasing, Thierhaupten 1998.

 

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Mühle der späten Merowingerzeit in Dasing (Gem. Dasing). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/1074 (Abruf am 11.12.2018).