DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Untere Mühle

Thierhaupten (Gem. Thierhaupten)

Typ: Mahlmühle
Gewässer: Friedberger Ach
Historische Daten: Vermutlich bestand die Mühle bereits 1475, auf jeden Fall aber schon 1558. 1959 bzw. 1961 wurde die Mühle im Zuge des sog. Mühlensterbens stillgelegt.
Adresse: Franzengasse 21, 86672 Thierhaupten
Öffentlich zugänglich.
Informationen für Besucher: Pfingsten 1997 erfolgte die Eröffnung des Mühlenmuseums. Das Museum in der Franzengasse 21, 86672 Thierhaupten, zeigt die Nutzung der Wasserkraft in den ehemals vier verschiedenen klostereigenen Mühlen. Über die Klostermühlen – speziell über die Untere Mühle als Mühlenmuseum -, aber auch über die verschiedenen Arten von Mühlen, die unterschiedlichen Mühltechniken und Mahlvorgänge usw. informiert kurz und anschaulich der gedruckte Führer des Klostermühlenmuseums.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Claudia Drachsler (Klostermühlenmuseum Thierhaupten).
Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Claudia Drachsler (Klostermühlenmuseum Thierhaupten).
Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Claudia Drachsler (Klostermühlenmuseum Thierhaupten).

Vermutlich bestand die Mühle bereits 1475, auf jeden Fall aber schon 1558.

In der Hofmarksbeschreibung von 1752 wurde sie als halber Hof geführt.

In vorindustrieller Zeit besaß die Mühle 3 Gänge.

Die 4 hölzernen Wasserräder, jeweils mit ihrem Mühl- oder einem anderen Werk fest gekuppelt, waren beliebig beaufschlagbar.

1869 erwarb Heinrich Gruner das Klostergut, der die Mühle bei dieser Gelegenheit zwar als baufällig bezeichnete, sie aber 30 Jahre lang anscheinend unverändert weiterbetrieb. Erst zwischen 1898 und 1901 wurden 60.000 Mark für einen Umbau investiert; die in einem Protokoll vom Jahr 1859 erwähnten vier Wasserräder in Holztechnologie dürften im Zuge des Umbaus abgenommen und durch ein einziges Rad ersetzt worden sein.

1901 stellte Gruner Josef Reiter aus Bachham (Niederbayern) als Müller in der Unteren Mühle ein.

Im März 1914, als größere Reparaturen an der Mühle fällig wurden, erwarb Josef Reiter die Mühle mit allen Mahl- und Wasserrechten für 16.000 Mark.

Reiters Sohn Franz Xaver, 1906 als drittes von 11 Kindern geboren, machte eine Müllerlehre, die er 1926 abschloss.

Als 1930 sein Vater starb, führte er das Anwesen weiter, übernahm die Mühle dann 1933 ganz und stellte von Lohn- auf Handelsmüllerei um. 1934 wurde er Müllermeister.

Schon bald nach der Übernahme erneuerte er die Mühlentechnik und baute die Mühle weiter aus. So wurden die Mühlsteine durch moderne Walzenstühle ersetzt und 1936 bestellte Reiter bei der Firma Grosse/Sachsen einen Plansichter; um diesen installieren zu können, versah man das Dach mit seinem heute noch zu sehenden besonderen Aufbau.

An Maschinen kamen noch hinzu:

1938: Mühlenaspirateur

1939: Mehlmischmaschine

1940: Walzenstuhl

1940: 2. Walzenstuhl

1941: Doppelstuhl

1941: einfacher Walzenstuhl

1946: Stirnkegelradgetriebe der Firma Renk/Augsburg

1952: der vorhandene Plansichterausgebaut und überholt

1953: Teka-Elektromehlveredler

Das 1946 beschaffte geschlossene Getriebe verband seitdem das aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts stammende unterschlächtige Wasserrad mit der Hauptvorgelegewelle.

Weiteres zum Wasserrad:

Es hat ursprünglich über offenen Winkeltrieb (gusseisernes „Kammrad“ mit Holzzähnen, Kegelritzel mit Übersetzung ins Schnelle) auf die Mühlentransmission gearbeitet.

Holz-/Eisen-Konstruktion auf gleitgelagerter Stahlwelle mit 28 gekrümmten Schaufeln

Durchmesser: 4,36 m, Breite: 1,30 m, Leistung: 13 – 24 PS / 9 – 17 kW/h

1959 bzw. 1961 wurde die sich rechtsseitig an der Friedberger Ach befindende Mühle im Zuge des sog. Mühlensterbens stillgelegt; das Gebäude diente nun als Brennholzlager.

Im Dezember 1994 erwarben Barbara und Karl Seidenschwann von der Witwe des letzten Mühlenbesitzers, Rosa Reiter, die alte Klostermühle, um dort ein Mühlenmuseum einzurichten.

1995 bis 1997 wurden das einsturzgefährdete Gebäude renoviert und die wasserbaulichen Anlagen der Reiter-Mühle wiedererrichtet.

Pfingsten 1997 erfolgte die Eröffnung des Museums.

Das heutige Mühlenmuseum in der Franzengasse 21, 86672 Thierhaupten (Flur-Nr. 113), ein dreistöckiger Bau mit Mansardwalmdach aus der Zeit um 1820, zeigt die Nutzung der Wasserkraft in den ehemals vier verschiedenen klostereigenen Mühlen. Über die Klostermühlen – speziell über die Untere Mühle als Mühlenmuseum -, aber auch über die verschiedenen Arten von Mühlen, die unterschiedlichen Mühltechniken und Mahlvorgänge usw. informiert kurz und anschaulich der gedruckte Führer des Klostermühlenmuseums.

 

Denkmäler in Bayern (Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler), herausgegeben von Michael Petzet, Band 7: Schwaben, bearbeitet von Bernd-Peter Schaul, Luftaufnahmen von Otto Braasch, München 1986, S. 140.

Wilhelm Ruckdeschel, Kraftwerke – Mühlen – Wassertürme. Technische Denkmale im Landkreis Augsburg, Augsburg-Haunstetten 1998, S. 66 – 71.

Klostermühlen Museum Thierhaupten. Museumsführer, hrsg. vom Klostermühlenmuseum Thierhaupten gem. GmbH, Thierhaupten (o.J.).

www.klostermuehlenmuseum.de .

 

Foto oben mit freundlicher Genehmigung von Frau Claudia Drachsler (Klostermühlenmuseum Thierhaupten).

 

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Untere Mühle in Thierhaupten (Gem. Thierhaupten). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/258 (Abruf am 11.12.2018).