DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Mühlen der Römischen Kaiserzeit

Günzburg (Gem. Günzburg)

Typ: Mahlmühle
Gewässer: Günz
Nicht öffentlich zugänglich.

 

Bereits in der Römischen Kaiserzeit dürfte in der wasserreichen Gegend Günzburgs mindestens eine Mühle gestanden haben. Zumindest lässt ein 1784 in der Stadt gefundener Altarstein darauf schließen.

 

Der dem Wassergott Neptun geweihte Altar aus Weißjurakalkstein kam „Am Ranken“, dem Hauptarm der Günz, nach dem Ablauf der großen Schmelzwasser im Frühjahr 1784 zutage. Finder waren die Fischersöhne Ulrich und Sebastian Kratzer. Der Fundort befindet sich ca. „1.500 Schritt“ oberhalb der Hasenmühle, etwas südostwärts der Oberen Mühle in der Günz, in die er nach Unterspülung des linken Günzufers gefallen war.

 

 

Fast 40 Jahre lang befand sich der Stein im Katzerschen Stadel des damaligen Hauses Nr. 303. Er sollte nach dem Tod des Vaters zu dessen Grabstein umgearbeitet werden, wozu es aber wegen der Kosten nicht kam.

 

Nach seiner Erkennung durch einen Benefiziaten erwarb ihn Fürst Fugger, der ihn nach Babenhausen bringen ließ. Der Sohn des Fürsten übergab ihn später dem Antiquarium Romanum in Augsburg.

 

 

Der Altarstein besitzt eine Höhe von 71 cm, eine Breite von 41,5 cm sowie eine Tiefe von 33 cm.

 

 

Er trägt folgende Inschrift (Buchstabenhöhe 5 / 5,5 cm):

 

 

„NEPTV(no)

SACR(um)

MOLIN(arii)“.

 

 

Die Übersetzung hierzu lautet: Dem Neptun (haben) die Müller ein Opfer (gebracht).

 

 

„Die Abkürzung MOLIN läßt sich insofern zur Gemeinschaft der Müller molinarii ergänzen, als man bei einer Einzelweihung den Eigennamen des Stifters zu erwarten hätte. [...] Eine direkte Datierung des Altars ist nicht möglich. Da es sich um einen Kalkstein des Albreviers handelt, muß der Stein nach 100/110, eher im späten 2. oder 3. Jahrhundert gebrochen worden sein.“ (Wolfgang Czysz, Gontia. Günzburg in der Römerzeit, S. 104)

 

 

 

 

Serafin Stötter, Beitrag zur Geschichte der Mühlen Günzburg, in: Schwäbischer Heimatbote. Heimatkundliche Unterhaltungsbeilage zum Günzburger Tagblatt, Nr. 4, 6. Juni 1931, S. 15/16; hier: S. 15.

 

 

Wolfgang Czysz, Gontia. Günzburg in der Römerzeit. Archäologische Entdeckungen an der bayerisch-schwäbischen Donau, Friedberg (Bayern) 2002, S. 103/104.

 

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Mühlen der Römischen Kaiserzeit in Günzburg (Gem. Günzburg). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/336 (Abruf am 11.12.2018).