DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Alte Mühle

Kirchdorf (Gem. Bad Wörishofen)

Typ: Mahlmühle, Sägemühle, Pleumühle, E-Werk, Öhlmühle
Gewässer: Haldenbach
Historische Daten: Um 1080 (Erstnennung).
Adresse: Schwedenstraße 16, 86825 Bad Wörishofen – Kirchdorf
Öffentlich zugänglich.
Informationen für Besucher: Eine Fischbräterei mit Verzehrmöglichkeit im Mühlenstadl, die Ferienwohnung in der Müllerwohnung und der Rückkauf der ehemaligen Mühlengrundstücke sind weitere Eckpfeiler des Anwesens und seiner geplanten weiteren Zukunft.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Gudrun Marquardt, Kirchdorf.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Gudrun Marquardt, Kirchdorf.
Mühlenraum im Eingang mit Blick auf das Wasserrad (Foto mit freundlicher Genehmigung von Frau Gudrun Marquardt, Kirchdorf).

Die älteste bisher bekannte Erwähnung der Ortschaft Kirchdorf vom Ende des 11. Jahrhunderts bezieht sich auf eine Kirchdorfer Mühle. Damals schenkte Irmindegin, Sohn des Marquard, dem Kloster Weingarten einen Hof mit Mühle in „Chirichdorf“.

Die Mühle in der Schwedenstraße 16, 86825 Bad Wörishofen – Kirchdorf (Flur-Nr. 31) erfuhr ihre erste genau datierbare urkundliche Nennung im Jahr 1402. Eine Familie Riezner oder Ritzner besaß nämlich neben einer Anzahl von Gütern auch die Mühle zu Kirchdorf. Am 17. März 1402 nun verkaufte „Elsbet, die Rieznerin“ an Utz Kindler, Bürger zu Mindelheim, diese ihre Mühle sowie die dazu gehörenden 3 Morgen Acker und 2 Tagwerk Wiesen und Holz, einschließlich aller Wasserrechte.

1414 veräußerte Kindler die Mühle an Herzog Ulrich von Teck (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Ger.Urk. Mindelheim, Nr. 96, 23. Juni 1414).

Auf dem Anwesen saß 1433 eine Else Müllerin, leibeigene Untertanin von Georg Ludwig von Teck.

1461 bewirtschaftete eine Christa Müller die Mühle als Lehen. Für den Betrieb hatte sie jährlich 12 Schilling zu zahlen sowie 1 Sack Dinkel, 2 Säcke Hafer, 2 Hühner und 100 Eier abzuliefern.

1565 bestand das Mühlenanwesen aus Haus, Hof, Stadel (Scheune) und Garten.

An Mühlen betrieb man eine Mahl-, eine Gerb-, eine Säge- und zum Brechen und Klopfen von Flachs und Hanf eine Pleumühle.

An Grundbesitz waren vorhanden: 2 Morgen Acker, 5 Tagwerk Wiesen und Holz unterhalb Katzenhirn sowie 1 Tagwerk im Mühlholz und 1 Tagwerk Anger (Weideland).

Im 16. Jahrhundert waren Peter Schreiber bzw. Müller (1554 erstmals nachweisbar) und danach Jacob Hayler (1573 erstmals nachweisbar) die dortigen Müller.

1575 kam es in Bezug auf die Nutzungsrechte des Bachwassers zu einem Vergleich zwischen den Müllern von Oberrammingen und Unterrammingen, die am unteren Lauf des Haldenbachs bzw. des Wörthbachs ihre Mühlen betrieben, auf der einen Seite und der Gemeinde Kirchdorf sowie dem Müller Jacob Hayler auf der anderen Seite. Es ging darum, wann und wieviel Wasser die Bauern von Kirchdorf für sich abzweigen dürften und wie Hayler den Wasserstand regulieren solle, damit ein Wasserstand von 3 Fuß Breite und 1 ½ Fuß Tiefe für die Müller am unteren Bachlauf zum Mühlenbetrieb gewährleistet sei.

1577 saß Jacob Hayler im Gefängnis, wegen Verletzung der Wassernutzungsrechte und der geltenden Mühlenordnung. „Jacob Hayler, Müller zu Kirchdorf, schwört bei seiner Entlassung aus des Georg v. Freundsperg, freih. zu Mind. Gefängnis, darein er gekommen, weil er der Mühlordnung zuwider gehandelt, schuldige Dienste verweigert, sich gegen Amtmann, Gericht u. Gemeinde zu Kirchdorf ungehorsamlich gehalten, gedachten Amtmann sowie des gleichen den Müller zu Oberrammingen eigenmächtig die Wässerung genommen u. endlich bemeltem Gericht ins Urteil geredt“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Ger.Urk. Mindelheim, Nr. 2604, 27. März 1577). Die Mühle wurde ihm deswegen aber nicht entzogen.

1624 gestattete die Obrigkeit dem neuen Müller, Christian Hayler, zusätzlich eine Ölmühle zu errichten. So konnte in seiner Pleumühle Flachs zur Fasergewinnung gebrochen und in seiner neuen Ölmühle aus dem Flachssamen Öl gewonnen werden.

Das heutige Gebäude, nunmehr ein privat genutztes Wohnhaus, stammt aus dem Jahr 1628 oder 1629. Damals wurde die Mühle ganz erheblich um- und ausgebaut.

„Die Mühle wie man sie heute vor sich sieht, besteht aus einem zweigeschossigen Mühlenhaus (fünf Böden) mit steilem Satteldach und hoher Giebelfront zur Strasse. Rechts vom Mühlenhaus öffnet sich ein Hof, in den Generationen von Müllern unzählige abgenutzte Mühlsteine vergraben haben. Nach hinten schließt eine Scheune den Hof ab, rechts erhebt sich ein weiterer „Stadel“. Eine Bemalung, die dem jetzt unter Putz liegenden Fachwerk nachempfunden ist, schmückt die Vorderseite des Mühlenhauses (Ostseite) im hohen Giebelfeld. Das Dach, heute mit Ziegeln gedeckt, war früher sicherlich aus Holz, Stroh oder Schilf.“

„Da das Wasser früher von oben über das Mühlrad floss, nicht unter ihm hindurch – beide Sorten der „Energieaufnahme“ sind gebräuchlich - handelte es sich ursprünglich um eine so genannte „oberschlächtige“ Mühle, jetzt müsste man sie als „mittelschlächtig“ bezeichnen.“

Nach Christian Hayler scheint ein Thomas Diepolt für kurze Zeit auf der Mühle gewesen zu sein.

1637 war dann bereits Martin Hemmerle Müller dort.

1660 schloss Hemmerle mit seinem gleichnamigen Sohn einen Kauf- bzw. Übergabevertrag. Der Sohn erhielt für 1.900 Gulden die Mühle sowie für 200 Gulden einen halben Hof.

Die Mühle betrieb der Sohn bis 1695, um sie daraufhin seiner Tochter Barbara zu übergeben, die noch im selben Jahr Johann Perchthold aus Frankenhofen heiratete.

Im Mindelheimer Urbar von 1721 werden für die Mahlmühle zwei Mahlgänge angegeben, zudem eine Grießmühle sowie eine Gerbmühle genannt.

Nachdem Johann Perchthold 47 Jahre lang das Mühlenanwesen bewirtschaftet hatte, übergab er Anfang September 1742 die Mühle seinem Sohn Andreas, der Mitte Oktober desselben Jahres Anna Maria Peringer aus Kirchdorf heiratete.

Scheinbar unerwartet starb Andreas Perchthold im Sommer 1766. Seinem 19-jährigen Sohn Florian wurde die Mühle durch Regelung von Vormündern übergeben; einer von ihnen war Hans Georg Perchthold, ein alter Müller aus Sontheim, zugleich wohl ein Verwandter. Den Wert des Gesamterbes (Mühlenanwesen und Bauerngut) veranschlagte man mit 4.700 Gulden, wobei Florian Perchthold 1.700 Gulden für sich als Heiratsgut abziehen durfte und die verbleibenden 3.000 Gulden zu gleichen Teilen seinen beiden Geschwistern Rosina (20 Jahre alt) und Leonhard (15 Jahre alt) zukommen lassen musste.

Im Herbst 1766 heiratete er Juliana Haugg aus Wörishofen.

Im Juli 1770 erließ die Obrigkeit eine neue Mindelheimer Müllerordnung, die auf 36 Seiten 26 Punkte auflistet und im Unterschied zu derjenigen von 1589 (Staatsarchiv München, Akten, F c II 21, Handwerksordnung der Müller von 1589) stark auf den Mahlgast ausgerichtet ist (Staatsarchiv München, Akten, F c II 22, ohne folio, Handwerksordnung der Müller von 1770).

In den ersten 9 Artikeln geht sie detailliert auf den notwendigen technischen Stand einer Mahlmühle ein, um eine optimale Mehlqualität zu garantieren (größte Sauberkeit; ein aus gut zusammengefügten Brettern bestehender Mühlboden ohne Spalten oder Astlöcher, damit kein Mehl verlorengeht).

Im Artikel 11 wird geregelt, was heute noch als das Sprichwort „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ geläufig ist; lediglich diejenigen Mahlgäste, die den weitesten Anreise- bzw. Rückweg hatten, sollten einen gewissen Vorzug erhalten.

Im Artikel 14 steht die Bestimmung, dass alles an Getreide ausnahmslos nicht mehr durch Hohlmaße gemessen werden solle, sondern fortan gewogen werden müsse.

Im Artikel 24 wurde festgelegt, dass der Müller als Entlohnung für seine Mahltätigkeit nicht mehr einen Natural-Anteil am gemahlenen Getreide erhält, sondern eine Bezahlung in Geld, was den Müllern zugute kam. So sollte der Müller folgende Vergütung erhalten:

 

für 100 Pfund Weizen: 9 Kreuzer

für 100 Pfund Dinkel: 8 Kreuzer

für 100 Pfund Gerste: 6 Kreuzer

für 100 Pfund Haber: 5 Kreuzer

 

Wenn der Mahlgast nicht – wie erlaubt – beim Mahlen mitarbeite, sondern sein Getreide nur abliefere, dann soll der Müller pro Zentner Mehl 1 Kreuzer mehr erhalten.

Diese Müllerordnung galt bis 1837, als dann eine in Details geänderte neue Mühlordnung erlassen wurde.

Da die Ordnung von 1770 jedoch offensichtlich nicht überall die vorgeschriebene Beachtung fand, erging 1772 die Anordnung, die Mühlengebühren bayernweit zu überprüfen, nachdem mancherorts noch die Entlohnung des Müllers in Naturalien (Anteil am gemahlenen Mehl) und auch noch Trinkgelder gebräuchlich waren. Auch scheinen Getreide, Mehl und Kleie noch nicht überall nach Gewicht gemessen worden zu sein.

1798 verkaufte Florian Perchthold seine Mühle und auch sein Bauerngut für die verhältnismäßig hohe Summe von 7.800 Gulden an Jakob Mägele, einen ledigen Bauernsohn aus der Hofmark Steingaden, zugleich Blutsverwandter dritten Grades von Florian Perchthold. Vom Verkaufserlös musste Perchthold erst einmal mit 2.300 Gulden seine Gläubiger zufriedenstellen.

Die Besitzungen umfassten damals das Mühlenanwesen mit Haus, Stadl (Scheune) und Stall, die Mahlmühle mit 2 Mahlgängen, die Säge und die Ölmühle mit 2 Morgen Acker und 7 Tagwerk Wiese, eine „Hofstatt“ mit 24 Morgen Acker, 11,5 Tagwerk Wiese und 3 Morgen Holz, 1 Morgen Acker, 3,5 Morgen grundeigenen (also nicht lehenpflichtigen) Acker und 4 Tagwerk grundeigene Wiese sowie einem grundeigenen Garten von 0,75 Tagwerk, 4 grundeigenen schmalen Stücken Krautgarten (Krautstrangen) und 0,75 Tagwerk verteilt auf 2 kleine Anger, außerdem die „Teichwiese“ von 3 Tagwerk. Mit verkauft wurden auch die beiden Kühe des Müllers.

Mägele heiratete Ende Mai 1798 Maria Wirsin, die Stieftochter von Leonhard Perchthold, dem jüngeren Bruder Florian Perchtholds.

Im Dezember 1827 verkaufte er die Mühle an den Müllerssohn Johann Müller aus Wörishofen und dessen zukünftige Ehefrau Rosina Baumann. Der Kaufpreis betrug 4.000 Gulden. Außerdem wurde zwischen den Vertragsparteien eine jährliche Naturalien-Abgabe an das verkaufende Müller-Ehepaar Mägele vereinbart, nämlich 1 Scheffel Dinkel, 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gerste, 2 Scheffel Kartoffeln, 36 Pfund Schmalz, 150 Krautköpfe, 60 Eier, Salz und Öl.

Lt. einem Gewerbesteuer-Kataster für die Jahre 1851/52 fielen in Kirchdorf 63 Gulden 30 Kreuzer an jährlichen Gewerbesteuern an; davon hatte Johann Müller 9 Gulden für seine Tätigkeit als Mahlmüller und 4 Gulden als Sägmüller zu entrichten, wodurch er fast an der Spitze der Gewerbesteuer-Zahler in Kirchdorf stand.

Im Oktober 1877 übertrug Müller das Anwesen seinem Sohn Albert aus zweiter Ehe. Einem Wert des Anwesens von 30.857,14 Reichsmark standen Schulden in Höhe von 19.885,72 Reichsmark gegenüber, zudem eine Hypothek von 2.400 Reichsmark. Albert Müller übernahm nicht nur die Schulden, sondern zahlte seinen Eltern auch einen Betrag von 3.428,56 Reichsmark.

Zum Zeitpunkt der Mühlenübernahme heiratete Albert Müller Kreszenzia Hagenbusch, Tochter des Müllers Benedikt Hagenbusch aus Oberigling, die eine willkommene Mitgift von 10.285,70 Reichsmark in die Ehe einbrachte.

Vermutlich im 19. Jahrhundert erhielt die Mühle einen Aufzug, der bis zur Bausanierung 1999 im Mühlenhaus bestand und dann durch einen modernen Aufzug ersetzt wurde.

Am 30. Januar 1922 kaufte die bayerische Siedlungs- und Landbank mit Sitz in München Mühle und Grundbesitz für 500.000 Mark; Albert Müller setzte sich zur Ruhe.

Sogleich nach dem Ankauf veräußerte die Bank den größten Teil des Grundbesitzes. Das auf ca. 4 Hektar geschrumpfte Mühlenanwesen erwarb drei Wochen später, am 21. Februar 1922, Albert Müllers Sohn Stefan, inzwischen Müllermeister.

Einen Tag nach dem Erwerb der Mühle schloss Stefan Müller einen Ehevertrag mit Katharina Eberle, Landwirtstochter aus Oberrammingen, wobei die Braut ihr Barvermögen mit 60.000 Mark angab. Am 26. April 1922 heirateten die Brautleute.

Bedingt durch die katastrophale wirtschaftliche Gesamtlage im Deutschland der 1920er Jahre mussten Stefan und Katharina Müller hochverschuldet das inzwischen auf 0,4 Hektar geschrumpfte Anwesen verkaufen.

Mitte Dezember 1932 erwarben es Johann Nuscheler, Müller aus Katzenhirn, und Maria Mayr, Privatierstochter aus Mindelheim, zu gleichen Teilen für 12.500 Goldmark; 1933 heirateten die beiden.

Der Mühlenbetrieb schien in der Folgezeit gut zu laufen, denn das gesamte Mühlenanwesen wurde grundlegend instandgesetzt. 1934 setzte man auf dem Grund der ehemaligen Sägemühle einen Stauweiher mit 920 m3 Inhalt an, baute man eine unterirdische Druckrohrleitung zu dem unterhalb gelegenen Triebwerk im neuen Turbinenhaus der Mühle, verrohrte man den Bach über den Mühlenhof und stellte man den gesamten Mühlenbetrieb auf Strom um.

Die zum Strombetrieb notwendige Francis-Spiralturbine mit 7,2 PS kaufte Johann Nuscheler am 6. Oktober 1934 von Matthias Sieber aus Kleinmünz; somit endete die jahrhundertelange Energiegewinnung durch das zuletzt eiserne Wasserrad, dem – vermutlich bereits im 19. Jahrhundert – das hölzerne Mühlrad hatte weichen müssen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde weiter in die Mühle investiert. 1951 entstand der 16 m x 15 m große Mühlenstadel mit Stallungen für das Vieh, wovon die Inschrift „1951“ im Betonfundament des Stadels zeugt.

Erst im September 1960 genehmigte das Landratsamt Mindelheim dem „Triebwerksbesitzer“ Johann Nuscheler die gesamte Anlage mit Stauweiher. Die Nutzfallhöhe für die Turbinenanlage wurde auf 9,20 m und die Ausbauwassermenge auf 75 Liter pro Sekunde festgelegt.

Nachdem seine Frau Maria am 30. März 1984 verstorben war und sein Neffe Max Nuscheler die Mühle in verringertem Umfang weiter betrieben hatte, teilte Johann Nuscheler am 25. September 1990 dem Landratsamt mit, dass er den Mühlenbetrieb und die Wassernutzung der Alten Mühle in Kirchdorf voraussichtlich endgültig einstellen wolle.

Nach dem Tod von Johann Nuscheler im Oktober 1996 erbten Max Nuscheler und dessen Ehefrau Ida die Mühle. Max Nuscheler betrieb nun neben seinem Bauernhof in Siebnach auch die Dinkelschälanlage der Mühle in Kirchdorf. Die Müllerwohnung blieb zwar vollständig eingerichtet, wurde jedoch nicht mehr bewohnt.

Nachdem sich der Mühlenbetrieb nicht mehr rentierte, trug sich das Ehepaar Nuscheler mit dem Gedanken, die Mühle zu verkaufen.

Am 25. März 1999 veräußerte das Ehepaar die gesamte Mühle, bestehend aus Wohnhaus, Mahlmühle, Wirtschaftsgebäude, Hofraum, Gartenland und Grünfläche, mit radizierter, d.h. mit dem Grundstück verwurzelter Mahl- und Sägmühlengerechtigkeit, an Rüdiger Marquardt.

Kurz zuvor war die Mühle in die Denkmalliste eingetragen worden.

Am 24. Mai 1999 begannen die Arbeiten an der Mühle anhand eines entwickelten und behördlicherseits genehmigten Sanierungs- und Nutzungskonzepts.

Arbeiter fanden dort am 27. Juli in einer Baugrube ein menschliches Skelett. Man verständigte die Kriminalpolizei Memmingen. Es stellte sich schließlich heraus, dass es sich um die sterblichen Überreste einer etwa 30- bis 40-jährigen Frau handelte, die mehr als 50 Jahre zuvor auf ungelöste Weise ums Leben gekommen und in der Mühle unter einem Fenster in geringer Tiefe verscharrt worden war. Zum Gedenken an die Tote setzte man nun im Heizungskeller der Mühle ein schlichtes Kreuz.

Am 29. November wurde von der Firma Burger Wasserkraftanlagen aus Engetried mit einem Kran an der alten Mühle ein neues Wasserrad in das neue Turbinengebäude gesetzt.

Beim Abschluss der Sanierungsarbeiten kurz vor Weihnachten 1999 erhielt der Eingangsbereich noch ein neues Bild der Heiligen Christina von Bolsena, der Schutzpatronin der Müller.

Am Hauseingang finden sich auch jene Verse, die hin und wieder an einem Mühlengebäude zu lesen sind:

 

„Die Mühle ist mein – und doch nicht mein –

Dem Zweiten wird es auch nicht sein –

Dem Dritten wird sie übergeben –

Der Vierte wird nicht ewig leben –

Den Nächsten trägt man auch ins Kühle –

Drum frag ich – wem gehört die Mühle?“

 

Das Anwesen besitzt eine kleine Turbinenanlage, die Strom für den Hausgebrauch erzeugt und den Überschuss in das öffentliche Stromnetz abgibt.

Eine Fischbräterei mit Verzehrmöglichkeit im Mühlenstadl, die Ferienwohnung in der Müllerwohnung und der Rückkauf der ehemaligen Mühlengrundstücke sind weitere Eckpfeiler des Anwesens und seiner geplanten weiteren Zukunft.

 

Holger Schulten und Rüdiger Marquardt, Bad Wörishofen: Geschichte der Alten Mühle in Kirchdorf, Bad Wörishofen 2002.

Internet: www.alte-muehle-kirchdorf.de.

 

Foto oben mit freundlicher Genehmigung von Frau Gudrun Marquardt, Kirchdorf.

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Alte Mühle in Kirchdorf (Gem. Bad Wörishofen). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/377 (Abruf am 11.12.2018).