DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Hammerschmiede beim Stockerhof

Naichen (Gem. Neuburg a.d.Kammel)

Hammerschmiede
Gewässer: Kammel (Kammlach)
Historische Daten: 1839 (Fertigstellung).
Adresse: Zur Hammerschmiede 3, 86476 Neuburg an der Kammel - Naichen
Öffentlich zugänglich.

Foto: Barbara Magg.
Turbinenhaus (Foto: Beate Spiegel).
Serafin Stocker jun.
Schmiederaum (Foto: Anita Kuisle).
Esse (Foto: Anita Kuisle).
Krafthammer (Foto: Anita Kuisle).
Schleifstein (Foto: Photographic Partnership).
Transmission (Foto: Photographic Partnership).

Die Hammerschmiede in Naichen (früher: Haus Nr. 114, jetzt: Zur Hammerschmiede 3, 86476 Neuburg an der Kammel - Naichen) ist ein Satteldachbau mit Aufzugsgaube, Kran und angebautem Turbinenhaus sowie weiterer technischer Ausstattung.

Sie liegt ca. 50 m nördlich des sog. Stockerhofs (Zur Hammerschmiede 1), unmittelbar an dem 1839 angelegten künstlichen Stichgraben.

Als Vorgängerbau stand bereits seit 1839 an dieser Stelle eine von Michael Kleiner errichtete eingeschossige Schmiede, die nach Konzessionserteilung des Fürstl. Esterházyschen Herrschaftsgerichts von Edelstetten ihren Betrieb aufnehmen konnte.

1860 heiratete Johann Stocker in die Schmiede ein.

1892 übernahm Serafin Stocker (sen.) den Betrieb.

1895 wurde die Werkstatt umgebaut, bedingt vor allem durch das größere Produktangebot an land- und forstwirtschaftlichen Gerätschaften und durch den Handel mit Schleifsteinen, Ambossen, Feldschmieden, Pumpen, Winden, Kreissägen und anderem; begünstigend hierfür erwies sich der 1892 erfolgte Eisenbahnanschluss im Kammeltal.

1922 fiel das Werkstattgebäude einem Brand zum Opfer und wurde noch im selben Jahr als zweigeschossiges, traufseitiges Handwerksgebäude mit hohen Rundbogenfenstern aus Stahl neu errichtet.

„Das neue Schmiedegebäude von 1922 war großzügig angelegt: das Obergeschoss mit Wohnung, das Erdgeschoss zweigeteilt in einen gleich großen Lager- und Werkstattraum. Während vor dem verheerenden Brand des erdgeschossigen Vorgängerbaues der Antrieb der Maschinen und Geräte direkt mit drei Wasserrädern verbunden war – jeweils für das Hammerwerk, den Schleifstein und den Blasebalg -, stattete man den Neubau mit den damals modernsten Transmissionen aus [...]. Diese neue revolutionierende Antriebsmethode bot wesentlich mehr Möglichkeiten für den Einsatz von Arbeitsmaschinen wie z.B. Drehbank und Säulenbohrmaschinen. Vor allem schuf der Transmissionsantrieb die Voraussetzung für einen neuen Typ von Krafthammer: Die alten Schwanzhämmer wurden durch einen Blattfederhammer ersetzt. Als Antrieb für die Maschinen war ein Wasserrad vorgesehen, dem 1925 die Genehmigung zum Turbineneinbau folgte. Unverändert blieb jedoch bis 1990 die Anlage des Stauwehres mit den hölzernen, von Hand „gezogenen“ Steckschützen.“ (Denkmäler in Bayern. Landkreis Günzburg, S. 411)

1922, im Jahr des Brandes, war Serafin Stocker sen. der Schmied dort; noch heute heißt das Anwesen Stockerhof.

Der Sohn Serafin Stocker jun. führte von 1932 – 1982 den Betrieb des Vaters weiter.

Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe die Schmiede 1987 an den Bezirk Schwaben.

Nach einer Instandsetzungszeit von acht Jahren fand 1990 eine Neu-Einweihung des Gebäudes statt.

„Oberstes Ziel der Sanierung des 1987 in die Trägerschaft des Bezirks von Schwaben übergegangenen Gebäudekomplexes mit bestehendem Wasserrecht war nicht nur die Sicherung der Bausubstanz, sondern auch die Wiederbelebung eines funktionstüchtigen, handwerklichen, zur Anschauung gebrachten Betriebes, dessen Ausstattung nahezu komplett erhalten ist. So lassen sich im Erdgeschoss die Schmiede mit Esse, Werkzeugen und vier Maschinen, der Turbinenraum mit moderner Turbinenanlage, der Werkstattraum u.a. mit großem Schwungrad und im Obergeschoss das Lager mit Büro, Gesellenraum und Wohnung finden.“ (Denkmäler in Bayern. Landkreis Günzburg, S. 411)

Auch das südlich vom Handwerksbetriebshaus liegende Wohnhaus, ein massives Bauernhaus mit Gesimsgliederung, das wie das Vorgängergebäude des jetzigen Hammerschmiedebaus 1839 errichtet wurde, konnte 1998 nach einer Umbau- und Sanierungszeit von drei Jahren unter der derselben Trägerschaft neu eingeweiht werden.

 

Anita Kuisle, Hammerschmiede Naichen. Geschichte und Technologie eines Handwerksbetriebs (= Bayerische Museen, Band 15), München/Zürich 1990.

Elisabeth Plößl, Wasser und Feuer, in: Heimatpflege und Museen in Schwaben. Mitteilungen und Meinungen aus Schwaben, 1995/2.

Hans Frei, Erhaltung von Stockerhof und Hammerschmiede Naichen, in: Heimatpflege und Museen in Schwaben. Mitteilungen und Meinungen aus Schwaben, 1998/2.

Wilhelm Ruckdeschel, Kraftwerke – Mühlen – Wassertürme. Technische Denkmale im Landkreis Augsburg, Augsburg-Haunstetten 1998, S. 122 – 124.

Denkmäler in Bayern (Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Denkmäler), Band VII.91/1: Landkreis Günzburg (Bernt von Hagen und Angelika Wegener-Hüssen), München 2004, S. 409 - 411.

www.hammerschmiede-naichen.de .

 

Foto oben: Beate Spiegel.

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Hammerschmiede beim Stockerhof in Naichen (Gem. Neuburg a.d.Kammel). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/486 (Abruf am 11.12.2018).