DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Klostermühle

Pforzen (Gem. Pforzen)

Typ: Mahlmühle, Sägemühle
Gewässer: Wertach
Historische Daten: 1345 (Erstnennung). 1968 wurde die letzte Partie gemahlen, der Getreide- und Mehlhandel jedoch weitergeführt. 1986 wurde auch der Getreide- und Mehlhandel eingestellt.
Adresse: Mühlstraße 25, 87666 Pforzen
Öffentlich zugänglich.
Informationen für Besucher: Seit 1998 ist das Gebäude in ein privates Handwerksmuseum umgewandelt, in dem alle Anlagen der letzten Jahrhunderte, sowohl die alten Steinmahlgänge als auch die Walzenstühle aus der Jahrhundertwende sowie die ganze übrige handwerklich historische Einrichtung bis hin zum Plansichter usw. zu sehen sind. Der vollständige Maschinensatz einschließlich des TÜV-geprüften Bremsfahrstuhls aus dem Jahre 1903 sind vollkommen betriebsbereit erhalten.

Wappentafel links (Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Wappentafel rechts (Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Hl. Winocus von Flandern, Schutzpatron der Müller (Türblatt aus der Pforzner Klostermühle, heute als Leihgabe im Kaufbeurer Heimatmuseum) (Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Aquarell (im Familienbesitz).
Rekonstruiert von Dipl. Ing. Peter Fleschhut (Abbildung mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Transmission (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Altdeutscher Steinmahlgang (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Ältere Mahlwerke mit Mühlsteinen (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Jüngere Walzenstühle (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Kammrad zum Wasserrad (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.
Kleine Getreideputzmaschine (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Der alte Bremsfahrstuhl (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Rotter jun.).
Bauplan eines Zuppinger-Wasserrades von 1890, Mühlenbauanstalt Cannstatt (Foto mit freundlicher Genehmigung aus: Frank Single und Wolfgang Strakosch, Die Donaualtheimer Mühle. Geschichte & Technik, München 2012, S. 173).

 

Die Klostermühle befindet sich rechtsseitig am Pforzener Mühlbach, der rechts von der Wertach abgeleitet ist (Mühlstraße 25, 87666 Pforzen, Flur-Nr. 45). Es handelt sich bei der Örtlichkeit um einen alten Mühlenplatz am nördlichen Ende von Pforzen, der angeblich schon im 12. Jahrhundert erwähnt worden sei.

 

 

Die 1573 durch den Reichsabt Thomas Hofmann des Reichsstiftes Irsee neuerbaute Mühle in Pforzen (Haus Nr. 44) erfuhr ihre erste urkundliche Nennung im Jahr 1345; die dazugehörige Hauskapelle entstand im 14. Jahrhundert.

 

 

Das Mühlengebäude findet 1960 bei Tilmann Breuer folgende Beschreibung:

 

„Zweigeschossiger Satteldachbau mit drei zu acht Achsen, die beiden südlichen Achsen im frühen 18. Jh. zugefügt. Flügel der Haustür mit gotisierender Schnitzerei, erste Hälfte 19. Jh., über der Haustür Terrakottatafel mit Wappen des Klosters Irsee, bez. ATH (= Abt Thomas Hofmann) 1573. – Sturz der Mühlentür bez. 1756, darüber Terrakottatafel mit Wappen, bez. ATH 1573. Beide Wappentafeln mit Versinschriften.“

 

 

Bis zur Säkularisation 1805 wurde die Mühle als Lehen gegeben.

 

 

Lt. einem Vertrag zwischen Raupolt dem Alten, Bürger zu Buron (Kaufbeuren), als Lehensnehmer – mit Einverständnis des Lehensbesitzers, Ritter Rupprecht von Lechsberg – und dem Rat der Stadt Augsburg durfte eine Rinne für die Floßfahrt gebaut werden; dabei erfolgte ein weiterer Durchstich des Mühlgrabens bis zum Burggraben der Ritter von Pforzen und eine Verlegung der Mühle näher zum Dorf Pforzen hin.

 

Am Ende des 14. Jahrhunderts fiel durch das Aussterben der Ritter von Lechsberg das Lehen über die Mühle an die Erben der Markgrafen von Ronsberg, die Herren von Kemnath, zurück.

 

Bis Ende des 15. Jahrhunderts führte man einen weiteren Durchstich des Mühlgrabens bis an den Nordwesten von Pforzen aus und verlegte den hölzernen Mühlstadel dorthin. Gegenüber dem Mühlstadel errichtete man die Kapelle aus Stein (mit einem Kreuzrippengewölbe), die auch zum Fluchtraum wurde.

 

 

Nach 1525 war ein Michael Franckhenmüller auf dem Anwesen als Müller tätig.

 

Ihm folgten

 

 

ab ca. 1550 Peter Franckhenmüller, sein Sohn

 

 

1574 Caspar Simon Schneider

 

 

1585 Michael Espenmüller (siehe auch Kaufbeuren, Esp(an)ermühle!), der gegenüber der Mahlmühle noch eine Sägemühle baute

 

 

1602 – 1611 Witwe des Michael Espenmüller

 

 

1611 – 1638 Lorenz Espenmüller, deren Sohn

 

 

1654 Müllerfamilie Meichelböckh

 

 

1664 Georg Bachmann, durch Heirat der Witwe Maria Meichelböckh; seit 1670 Amman in Pforzen

 

 

Im Winter 1672/73 wurde das Wehr durch Eisdurchbruch zerstört und wieder errichtet.

 

 

1702 Marcus Bachmann, Sohn des Georg Bachmann

 

 

1737 Georg Bachmann, Marcus Bachmanns Sohn

 

 

Im Rahmen einer Hausrenovierung wurde auch ein neues Mühlentor gesetzt.

 

 

1775 Johann Georg Magg, durch Heirat der M. Josepha Bachmann

 

 

1789 Jacob Gregg aus Apfeltrach, durch Heirat der Witwe Francisca Magg

 

 

1815 Franz Joseph Gregg, sein Sohn

 

 

1817 Mang Anton Vogler, durch Kauf von Franz Joseph Gregg

 

 

1838 Alois Vogler, sein Sohn

 

 

1840 Joseph Ignaz, Bruder des Alois Vogler

 

 

1878 Josef Anton Vogel

 

 

1884 – 1889 Veronika Vogel, seine Witwe; die Ökonomie leitete der Verwalter Anton Weinberger, der 1889 die Witwe heiratete

 

 

In dieser Zeit ereigneten sich zwei schwere Wehrbrüche, die beinahe den Ruin des Betriebs herbeigeführt hätten.

 

 

Besitzer war ab 1889 Anton Weinberger, der Mitbegründer des Kaufbeurer Heimatmuseums.

 

 

1902 fiel das gesamte Ökonomiegebäude einem Brand zum Opfer, wurde jedoch wieder aufgebaut.

 

 

Nach dem Tod von Veronika Weinberger fielen 1909 durch Erbfolge 6/8 des Mühl- und Gutsbesitzes an Anton Weinberger, 1/8 an Magdalena Weinberger und ebenfalls 1/8 an Ludwig Vogel, der die Sägemühle leitete.

 

1913 erfolgte nach dem Tod Anton Weinbergers eine Teilung des Erbes: Die Sägemühle (Haus Nr. 48 ½) und ein Teil der landwirtschaftlichen Flächen gingen an Ludwig Vogel, auch 60 % des Wasserrechts; dafür durfte Magdalena Weinberger als Mühl- und Gutsbesitzerin Strom zur Beleuchtung des Anwesens sowie zum Betrieb von zwei Bügeleisen beziehen; zudem war es ihr gestattet, mittels eines Drahtseilantriebs über den Mühlweg zum Ökonomiegebäude über eine Transmissionswelle eine Dresch- und Gsodmaschine zu betreiben.

 

 

1913 kam der Gastwirtssohn und gelernte Müller Martin Rid durch Heirat der Magdalena Weinberger auf das Mühlenanwesen.

 

1921 wurde durch ihn der Nordbau mit seinem spätgotischen Balkon errichtet.

 

 

Ein gewaltiges Hochwasser der Wertach verursachte 1927 einen Wehrbruch; 1937 ersetzte man dann das Holzwehr durch eines aus Beton.

 

 

Ebenfalls 1937 und auch 1938 wurde eine Modernisierung der Mahlmühle durchgeführt: es wurden zusätzlich ein Doppelwalzenstuhl, ein Roggenwalzenstuhl, eine Schäl- und Bürstmaschine und auf den Dachfirst ein Plansichter gesetzt. Somit konnte die tägliche Mehlproduktion auf über 5 Tonnen gesteigert werden.

 

 

1962 übergaben die kinderlosen Martin und Magdalena Rid Mühle und Gut ihrem Neffen Franz Rotter, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg bei ihnen das Müllerhandwerk gelernt und nach dem Krieg als Müller wieder bei ihnen arbeitete.

 

 

1980 übergaben Franz Rotter und seine Ehefrau Erna Betrieb und Landwirtschaft an ihren Sohn Franz Rotter jun., der mit seiner Ehefrau Johanna den Grünlandbetrieb führt (Landwirtschaftlicher Meisterbetrieb / E-Werk, Mühlstraße 25, 87666 Pforzen, Tel. 08346/254).

 

 

Bei der Klostermühle mit 4 Mahlgängen, in die ein Wohnhaus integriert ist, handelt es sich um eine Getreide-Mahlmühle mit kompletter und funktionsbereiter Einrichtung.

 

Sie besitzt 3 Altdeutsche Steinmahlgänge und 4 Walzenstühle.

 

1908 wurde in der Sägemühle gegenüber das Wasserrad durch eine Turbine ersetzt, die über einen Gleichstromdynamo das Sägewerk mit Strom versorgte.

 

Anton Weinberger tauschte 1910 das marode hölzerne Wasserrad an der Mahlmühle durch ein modernes mittelschlächtiges Zuppinger-Wasserrad aus. Bis 1965 hatte die Mahlmühle dieses Wasserrad von 2,7 m Breite, fast 6 m Höhe bzw. Durchmesser und ca. 10 Tonnen Gewicht, dann - ab 1967 - eine Francis-Turbine mit stehender Welle und einer Leistung von 48 kW/h bei 1.800 l/sec und knapp 4 m Fallhöhe.

 

 

Näheres zur Turbine:

 

Arbeit über Kegelradgetriebe, Schwungrad und Riementrieb mit Übersetzungen ins Schnelle auf Asynchron-Generator AEG, 380 V, 50 Hz, 1.000 Umdrehungen pro Minute.

 

 

Der Mühlstein besteht aus französischem Sandstein (Stator) bzw. rotem Granit (Läufer).

 

 

Bis 1966 war die Mühle in Betrieb; fünf Müller fanden hier Beschäftigung.

 

Ihr Einzugsgebiet umfasste etwa 100 km im Umkreis. Das Mahlgut beinhaltete alle heimischen Getreidearten bzw. alle Mehlsorten.

 

Da sich der Mahlbetrieb wegen der konkurrierenden industriellen Großproduktion nicht mehr rentierte, wurde 1968 die letzte Partie gemahlen, der Getreide- und Mehlhandel jedoch weitergeführt.

 

1986 wurde auch der Getreide- und Mehlhandel eingestellt.

 

 

Wegen starker Schäden am Beton musste 1989 das Wehr neu gebaut werden.

 

 

1993 erwarb Franz Rotter jun. die beiden Francis-Turbinen des gegenüberliegenden ehemaligen Sägewerks der Firma Ludwig Vogel; gleichzeitig wurde das volle Wassernutzungsrecht auf die alte Mühle zurückübertragen; so konnte die Wasserkraft am Mühlbach nach 80 Jahren wieder vereint werden, nachdem 1913 Mühle und Sägewerk "auseinandergeheiratet" worden waren.

 

 

Die Gesamtleistung an regenerativer Energiegewinnung liegt nun bei ca. 120 kW/h.

 

 

Seit 1998 ist das Gebäude in ein privates Handwerksmuseum umgewandelt, in dem alle Anlagen der letzten Jahrhunderte, sowohl die alten Steinmahlgänge als auch die Walzenstühle aus der Jahrhundertwende sowie die ganze übrige handwerklich historische Einrichtung bis hin zum Plansichter usw. zu sehen sind. Der vollständige Maschinensatz einschließlich des TÜV-geprüften Bremsfahrstuhls aus dem Jahre 1903 sind vollkommen betriebsbereit erhalten.

 

 

 

 

Tilmann Breuer, Stadt und Landkreis Kaufbeuren (= Bayerische Kunstdenkmale, herausgegeben von Heinrich Kreisel und Adam Horn, Band 9, Stadt und Landkreis Kaufbeuren, Kurzinventar), München 1960, S. 175.

 

 

Internetseite www.rotter.de

 

 

Foto oben: Hofseite (Osten).

 

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Klostermühle in Pforzen (Gem. Pforzen). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/964 (Abruf am 11.12.2018).