DOKUMENTATIONEN

Mühlen in Schwaben - Dokumentation

Katzbruimühle

Katzbrui (Gem. Apfeltrach)

Typ: Mahlmühle, Sägemühle, Öhlmühle
Gewässer: Westernach
Historische Daten: 1534 oder 1539 wurde die Mahl- und Sägmühle zum erstenmal urkundlich erwähnt; sie reicht jedoch vermutlich bis in das Jahr 1370 oder sogar 1340 zurück. Die Mühle blieb etwa bis zum Jahre 1920 voll in Betrieb.
Adresse: Katzbrui 7, 87742 Apfeltrach-Köngetried
Öffentlich zugänglich.
Informationen für Besucher: 1992 kaufte Max Endraß das Anwesen, das er mit Hilfe des Fördervereins Katzbrui-Mühle als historisches Mühlenanwesen pflegt und als Mühlen-Museum zu erhalten sucht.

Die Katzbruimühle am 1. August 2007 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Kurrer, Nürtingen).
Die Katzbruimühle am 1. August 2007 (Foto: Georg Abröll, Gersthofen).
Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Josef Frick.
Foto: Georg Abröll, Gersthofen.
Foto: Georg Abröll, Gersthofen.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Kurrer, Nürtingen.
Foto: Georg Abröll, Gersthofen.
Foto: Georg Abröll, Gersthofen.
Ornament an der Eingangsseite des Hauses (Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Kurrer, Nürtingen).
Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Franz Kurrer, Nürtingen.
Foto mit freundlicher Genehmigung von Herrn Josef Frick.
Foto: Georg Abröll, Gersthofen.

Die Katzbruimühle (Katzbrui 7, 87742 Apfeltrach-Köngetried, Flur-Nr. 400 der Gemarkung Köngetried) ist östlich unterhalb des Weilers im Talgrund des Quellgebiets der Westernach direkt an den Katzbruier Bach, einen der beiden Quellbäche der Westernach, den man früher auch Eisbach nannte, gebaut.

In diesem geschützten Landschaftsteil findet man noch das seltene Bayerische Löffelkraut.

Das heutige Mühlengebäude wurde – einer dendrochronologischen Untersuchung zufolge - um 1661 errichtet. Es handelt sich um einen Ständerbau mit einem flachen und steinbeschwerten (1960 rekonstruierten) Legschindeldach.

Der Wohnteil ist zweigeschossig und kragt im Obergeschoss in den Mahlraum hinein. Ein Anbau erfolgte 1884. Das Mühlengebäude misst ca. 16 m in der Länge (einschließlich Wohnteil, Mühlenteil allein ca. 8 m), ca. 12 m in der Breite und ca. 6 m in der Giebelhöhe.

1534 oder 1539 wurde die Mahl- und Sägemühle zu Katzbrui zum erstenmal urkundlich erwähnt; sie reicht jedoch vermutlich bis in das Jahr 1370 oder sogar 1340 zurück. Ein „Hans Pregennzer zu Röttenbach“ erhielt sie damals als Erblehen der Margarethe von Frundsberg.

Mit der Übernahme Mindelheims durch den bayerischen Kurfürsten 1616 kam die nach Köngetried gehörende Mühle zu Bayern.

1616, also im selben Jahr, zog ein Hans Müller auf die Mühle, die aus Hausstatt, Stadel, Speicher sowie „zwo Mahl- und eine Gerbmüllin“ bestand, also 3 Mahlgänge hatte.

Die Mühle brannte im Dreißigjährigen Krieg ab, sodass 1661 ein Georg Müller das Anwesen „ohne Bestand“ übernahm. Er baute ein Haus sowie eine Ölmühle in Ständerbohlenbauweise, die im darauffolgenden Jahrzehnt auch als Mahlmühle weiter ausgestaltet wurde; die Steuerkataster berichten vom Weiterbestehen der Ölmühle bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Nach dem Urbar der Herrschaft Mindelheim aus dem Jahr 1721 bestand Katzbrui aus drei Anwesen: der Mühle mit einem ganzen Hof und zwei halben Höfen; ihre Abgaben hatten sie an das Siechenhaus Mindelheim zu leisten.

1806 übernahm Johann Rauch das Anwesen im Anschlag von 3.250 Gulden von seinem Vater; bereits 1772 war der Übergabevertrag ausgearbeitet worden.

1835 bestand das Mühlgut mit Mahlmühlgerechtigkeit aus Wohnhaus, Mahlmühle, Stadel und Viehstall unter einem Dach, Backofen und Hofraum.

Dem Johann Rauch folgte Stanislaus Rauch, der u.a. fast 50 Tagwerk – vor allem Äcker und Wiesen – bewirtschaftete.

1871 baute er an die Westseite eine Remise an; bereits 1866 hatte die Mühle ein eisernes Getriebe und einen weiteren, 4. Steinmahlgang erhalten.

Nach Rauchs Tod 1883 ging der Besitz an seine Witwe Maria über, die ihn 1886 ihrer Tochter Maria Wassermann vererbte.

Im selben Jahr kaufte Friedrich Schöpf die Mühle.

Um das Jahr 1900 wurde der Ölstampf abgebrochen.

Schöpf übergab 1930/31 an Scholastika Schaule, die 1942 Jakob Böck heiratete.

Zu diesem Zeitpunkt war der offizielle Mahlbetrieb bereits nahezu eingestellt; lediglich die Kapuzinermönche von Mussenhausen ließen dort als letzte Kunden ihr Mehl mahlen.

Eine Renovierung wie auch eine bauliche Sicherung führte man 1949 durch.

Ebenfalls 1949 drehte die Schonger-Film-Gesellschaft einen Großteil ihres Märchenfilms „Hans im Glück“ (Regie: Peter Hamel, Darsteller: Erich Ponto, Gunnar Möller, Gertrud Kückelmann und Beppo Brem) in und bei der Mühle Katzbrui.

Auf literarischem Gebiet setzte der Mühle der Schriftsteller Arthur Maximilian Miller mit seiner Erzählung „Die Unglücksmühle“ ein Denkmal.

1955 bekam das Dach an der Nordseite eine Ziegeldeckung und 1961 wurden Instandsetzungsarbeiten an der Ostseite und eine Erneuerung des Mühlrades vorgenommen. Eine Imprägnierung gegen Holzwurmbefall führte man im folgenden Jahr durch. 1965 wurde das Dach in seiner ursprünglichen Form erneuert.

Seit den frühen 1960er Jahren führten unter Jakob Böck Maria Brunnlehner und Georg Zwerger im Erdgeschoss des ehemaligen Wohnteils ein Gasthaus; auch heute noch wird der Gastronomiebetrieb geführt.

1980 begannen Böcks Erben mit großen An- und Umbauarbeiten.

1992 kaufte Max Endraß das Anwesen, das er mit Hilfe des Fördervereins Katzbrui-Mühle als historisches Mühlenanwesen pflegt und als Mühlen-Museum zu erhalten sucht.

Die historische Mühlenausstattung hat sich seit einer Modernisierung im Jahr 1866 unverändert mit vielen Bestandteilen aus der Erbauungszeit erhalten. Von den ehemals 4 Steinmahlgängen (Gerbgang zum Schälen von Dinkel, Schrotgang zum Schroten von Getreide, Weißgang zum Mahlen von Weizen, Schwarzgang zum Mahlen von Roggen) wurden zwischen 1993 und 2000 die drei ersteren wieder funktionsfähig gemacht. Sie werden von einem oberschlächtigen Mühlrad aus Holz angetrieben.

„Zur Mühle gehört nun auf der östlichen Giebelseite ein überdachtes hölzernes Wasserrad mit einem Durchmesser von 4 m. Der im nahen Dirlewang ansässige Mühlenbauer Erwin Scharpf sanierte es im Jahre 1999. Die gusseiserne Rosette hat eine sehr ungewöhnliche Form. Auf einfachen Montageflügeln sind hier die Arme flach aufgeschraubt. Dieses Grund-Wasserrad nutzt mit seinen vier Metern jedoch nur wenig das zur Verfügung stehende Gefälle der Hangquellen von rd. 15 m aus. Effektiver wäre ein Wasserrad mit einem Durchmesser von fast 15 m, jedoch ist ein solches aus Holz mit diesem Durchmesser kaum herstellbar. Wie jedoch vorhandene Baureste zeigen, gab es zum Ausnutzen des großen Restgefälles zwischen dem vom Berghang kommenden Bach und dem Zulaufgerinne zum heutigen Grund-Wasserrad ein Vorschalt-Wasserrad mit einem Durchmesser von etwa 8 m. [...]

Das Vorschalt-Wasserrad trieb eine Seilscheibe mit einem Endlosseil aus Stahl an, das zu einer Transmission in der Mühle führte und so weitere Antriebskraft lieferte.

Die Mühle blieb etwa bis zum Jahre 1920 voll in Betrieb. Um die vier Mahlgänge zu betreiben, war bei einem Wasserdurchsatz von etwa 60 l/s die Kraft beider Wasserräder nötig. Das seit dem Jahre 1920 stillstehende Vorschalt-Wasserrad wurde etwa 1935 abgerissen. An seine Stelle trat etwa 1955 ein Schwellweiher für das noch verbliebene Grund-Wasserrad.“

(Herbert Jüttemann, Die Katzbrui-Mühle in Bayrisch-Schwaben, S. 3/4)

Die 4 Boden- und 4 Läufersteine sind aus Sandstein hergestellt.

Mahlkunden waren ehemals die Bauern aus der Umgebung, ihr Mahlgut Dinkel und gegen Ende auch Weizen und Roggen.

 

Heinrich Götzger und Helmut Prechter, Das Bauernhaus in Bayerisch-Schwaben, München 1960.

Heinrich Habel, Landkreis Mindelheim, München 1971, S. 149 - 151.

Denkmäler in Bayern (Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler), herausgegeben von Michael Petzet, Band 7: Schwaben, bearbeitet von Bernd-Peter Schaul, Luftaufnahmen von Otto Braasch, München 1986, S. 387.

Das schöne Allgäu. Die Zeitschrift für Brauchtum, Kultur, Heimatpflege, Freizeit und Umwelt; 4/2002; S. 100 – 104.

Herbert Jüttemann, Die Katzbrui-Mühle in Bayrisch-Schwaben, in: Der Mühlstein. Periodikum für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V. – DGM – Minden/Westfalen, 24. Jahrgang, Heft 1, März 2007, S. 2 - 5.

Internetseite www.katzbrui-muehle.de

 

Foto oben mit freundlicher Genehmigung von Herrn Josef Frick.

© Bezirksheimatpflege Schwaben und Georg Abröll, M.A.
Empfohlene Zitierweise:
Abröll, Georg: Katzbruimühle in Katzbrui (Gem. Apfeltrach). Aus: Bezirksheimatpflege Schwaben (Hrsg.), Mühlen in Schwaben (Dokumentation). URL: http://www.bezirk-schwaben.de/heimatpflege/dokumentationen/muehlen-in-schwaben/detailansicht/muehlendoku/970 (Abruf am 11.12.2018).