MÜHLENSUCHE


Bitte beachten Sie:

• Mühlen im Stadtgebiet Augsburg sind in der Dokumentation nicht berücksichtigt.
• Die Suche ist standardmäßig auf 50 Treffer begrenzt. Aufhebung der Begrenzung in der erweiterten Suche möglich.
• Nicht alle Inhaber von Bildrechten konnten ermittelt werden; sie werden gebeten, eventuelle Ansprüche geltend zu machen.

KONTAKT

Bezirksheimatpflege
des Bezirks Schwaben
Prinzregentenstraße 8
86150 Augsburg
Tel.: 0821-3101-309
Fax: 0821-3101-406
E-Mail: heimatpflege(at)bezirk-schwaben(dot)de

Zur Entstehung der Dokumentation "Mühlen und Elektrizitätswerke in Bayerisch-Schwaben"

von Georg Abröll, M.A.

Im Jahr 2004 habe ich von Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl den Auftrag erhalten, die Mühlen und Elektrizitätswerke in Mittelschwaben zu dokumentieren.

Nach einer Vorbesprechung, die am 3. August 2004 in der Hammerschmiede Naichen stattfand und in der Dr. Fassl zum einen Fachleuten auf dem Gebiet des Mühlenwesens, zum anderen Vertretern aus Politik, Öffentlicher Verwaltung und Fremdenverkehr das Projekt vorstellte, habe ich im Herbst desselben Jahres die Arbeit an dieser Dokumentation aufgenommen.

Wegen einer geplanten Mühlen-Ausstellung in Naichen sollten zunächst vor allem sowohl die ehemals existenten als auch die heute noch vorhandenen Mühlen und E-Werke an der Kammel (Kammlach) zahlenmäßig möglichst vollständig erfasst und wissenschaftlich beschrieben werden.

Die Arbeit bestand in einem ersten Schritt darin, anhand von historischen Beschreibungen und Karten – z.B. den Ortsbeschreibungen und Ortskarten von Johann Lambert Kolleffel aus der Zeit um 1750 – sowie anhand von aktuellen Auflistungen und Karten – wie etwa denjenigen der Wasserwirtschaftsämter Krumbach und Donauwörth – die historischen und die gegenwärtig existierenden Mühlen und E-Werke ausfindig zu machen.

Dies bedeutete in der Folge zum einen, die entsprechenden Städte und Gemeinden in der Person des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin anzuschreiben, zum anderen die Eigentümer der Objekte zu ermitteln und auch an diese heranzutreten, zum dritten die bereits zu diesem Thema erschienene Literatur ausfindig zu machen, zu sichten und auszuwerten, vor allem auch vorhandene Ortschroniken, und zum vierten das in den einschlägigen Gemeinde- und Staatsarchiven liegende Material ebenfalls ausfindig zu machen, zu sichten und auszuwerten, beispielsweise die Steuer– bzw. Rural-Kataster aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Staatsarchiv Augsburg.

Diejenigen Informationen zu den Mühlen und E-Werken, die sowohl in archivalischer Form als auch in Form von Sekundärliteratur vorliegen, auszuwerten, sollte einen ersten großen Bestandteil der Dokumentation bilden.

Der zweite Komplex aber sollte sein, mündliche Überlieferungen oder persönliche Erinnerungen ehemaliger oder noch beruflich aktiver Müllersleute zu sichern. Auch Gegenständliches, z.B. privates Akten- und Bildmaterial, waren und sind für die Dokumentation von Interesse.

Als weiterer Schritt wurde unter Mitarbeit der Bezirksheimatpflege ein detaillierter Fragebogen von sechs Seiten Umfang entwickelt und sowohl den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen der Städte und Gemeinden als auch den Eigentümern der Mühlenanwesen zugesandt.

Der Erhebungsbogen umfasste 33 Punkte. Es wurde u.a. Folgendes erfragt: Name der Mühle bzw. des E-Werks, genauer Standort (Gewässer, Flur-Nummer auf dem Katasterplan, eventuell Wegbeschreibung), Art der Mühle, Besitzer und Vorbesitzer, Mühlradtyp, Art des Mühlsteins, Mahlkunden bzw. Einzugsgebiet, Mahlkapazität, Anzahl der Beschäftigten früher und heute, bei E-Werken Art und Leistung der Turbinen, weitere maschinelle Anlagen, bauliche Maße der Gebäude, Vorgängerbauten, Mühlen- bzw. Müllersagen.

Es zeigte sich ein ungewöhnlich starkes Interesse und Engagement sowohl bei den Eigentümern der Objekte als auch bei den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen, Gemeindeverwaltungen, Bauämtern, Stadtarchivaren, Heimatpflegern, Heimatmuseen usw., denen an dieser Stelle für ihr Engagement gedankt sei.

Dementsprechend umfangreich war das Material, das mir zusammen mit den ausgefüllten Erhebungsbögen zur Verfügung gestellt wurde, wie z.B. Fotokopien aus entsprechenden Ortsgeschichten, Diplomarbeiten zu einzelnen Mühlen und E-Werken, Bauakten, Fotokopien von Urkunden und amtlichen Bescheiden, Zeitungsartikel, Ergebnisse privater wissenschaftlicher Forschungen, Fotografien und vieles mehr. Diese unerwartete Fülle an Material musste selbstverständlich in jedem einzelnen Fall gesichtet, wissenschaftlich ausgewertet und in die Dokumentation eingebaut werden.

Als ganz besonders engagiert und interessiert haben sich die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen erwiesen, die sich entweder persönlich mit den Eigentümern der Mühlen und E-Werke in Verbindung gesetzt haben oder ihre Verwaltung beauftragt haben, geeignetes Material aus ihrem Bereich für die Dokumentation zusammenzustellen.

Aber auch die Eigentümer, die sich fast alle der herausragenden Stellung und Bedeutung ihres Anwesens innerhalb der Ortsgemeinschaft bewusst sind und entsprechend viel zur Dokumentation beitragen wollten und konnten, haben durch ihr Interesse und ihr Engagement sehr geholfen. Durch die Fragebögen konnte erfreulicherweise von früheren Müllersleuten zwischenzeitlich stillgelegter Mühlen – meist ältere Personen – noch viel an bislang nicht bekannten Fakten erfragt und somit gesichert werden.

Aufgrund der überraschend hohen Anzahl an ermittelten Mühlen und E-Werken und aufgrund der Menge des Materials war bald abzusehen, dass die Dokumentation in der vorgesehenen Zeit nicht fertigzustellen war. Aus diesem Grund hat daraufhin der Kultur- und Europaausschuss des Bezirkstags in seiner Sitzung vom März 2005 beschlossen, die Mittel für das Projekt für einen weiteren Zeitraum zu genehmigen, mit der Maßgabe, die Dokumentation von anfangs Mittelschwaben nunmehr auf ganz Bayerisch-Schwaben auszuweiten.

So wurden in der Folge nun auch die Bürgermeister bzw. Bürgermeisterinnen sowie die Eigentümer der Mühlen und E-Werke in den übrigen Regionen Bayerisch-Schwabens angeschrieben. Die dort ebenfalls entgegengebrachte sehr positive Resonnanz war und ist Bestätigung dafür, wie stark das Interesse und das Bedürfnis nach einer grundsätzlichen und mehr oder weniger umfassenden Bestandsaufnahme und Behandlung des Themas Mühlen ist.

Bei Betrachtung der Geschichte der einzelnen Mühlen traten mehr oder weniger stark ausgeprägte Gemeinsamkeiten hervor:

  1. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) fielen die meisten Mühlen entweder den militärischen Auseinandersetzungen oder der zeitgleich herrschenden Pest zum Opfer. Marodierende Soldateska, aber auch reguläre Truppen brannten Mühlen, die ja für die Versorgung der Bevölkerung von elementarer Bedeutung waren, oft bis auf die Grundmauern nieder bzw. töteten die dort ansässigen Müller und ihre Familien. Die Pest machte natürlich auch vor den Müllern nicht halt. Viele Müller machten sich mit ihren Familien auf und verließen ihre Anwesen, um in anderen, halbwegs sicheren Gegenden Deutschlands dem Krieg und der Pest zu entgehen, sodass auf diese Weise die verlassenen Mühlen nach und nach verfielen und manchmal erst viele Jahre später wieder aufgebaut und erneut in Betrieb genommen wurden.
  2. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert rüsteten die meisten Mühlen vom Antrieb mittels eines Wasserrades auf den Antrieb mittels Wasserturbinen bzw. Generatoren um. Die nun überflüssig gewordenen Mühlräder wurden entweder sofort abgebaut oder blieben als Zierde oder auch als unbeachtetes Beiwerk am Haus bestehen. Mitunter erzeugte die neue Antriebstechnik soviel Elektrizität, dass durch den überschüssigen Strom nicht nur das ganze Mühlenanwesen mit Energie versorgt werden konnte, sondern darüber hinaus auch die benachbarten Anwesen, in einigen Fällen der gesamte Ort und zum Teil sogar noch die umliegenden Gemeinden. So wurden aus vielen Mühlen zusätzlich kleine Elektrizitätswerke.
  3. Auffallend ist, dass über die Jahrhunderte hinweg insbesondere Mühlenanwesen – bis weit in das 20. Jahrhundert hinein – bevorzugte Opfer von Bränden waren. Diese Auffälligkeit als solche resultiert nicht allein daraus, dass die Gebäude zum großen Teil oder sogar gänzlich in Holzbauweise errichtet waren. Es ergab sich vielmehr bei den Mühlen eine besondere Brandgefahr durch den feinen Mehlstaub, der die Luft im Innenbereich der Mühle durchsetzte und dadurch ein leicht entzündbares Gemisch bildete. Beim Hantieren mit offener Flamme konnte es zu einer plötzlichen Verpuffung im gesamten Innenraum und zu einem sich schnell ausbreitenden Feuer kommen, das dann kaum mehr zu löschen war.

Zwischenzeitlich konnten für das gesamte bayerische Schwaben über 1000 Mühlen und E-Werke ausfindig gemacht werden.

Die Stadt Augsburg wurde dabei nicht berücksichtigt, weil die zahlreichen Mühlen und E-Werke der Handwerker- und Industriemetropole einer eigenen Dokumentation vorbehalten sein sollen. Seit dem 11. Jahrhundert – so nimmt man an – gab es in der Reichsstadt vier Stadtmühlen, nämlich die Blanken-, die Kreuz-, die Pflader- und die Belzmühle, die sich am Lochbach bzw. am Vorderen Lech befanden. Im Stadtrecht von 1276 werden sechs weitere Stadtmühlen erwähnt, nämlich die Wolfs-, die Schwall- und die Klessingesmühle am Mittleren Lech, die Gäumühle am Hinteren Lech, die Rotigersmühle am Sparrenlech sowie die Hanoreimühle am Schäfflerbach. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entstanden an den neuen Lechkanälen weitere Mühlen, die als Walk-, Schleif-, Öl- und Papiermühlen ihren Dienst verrichteten. 1761 zählte man in Augsburg bereits 63 Mühlen.

Beim Begriff "Mühle" denkt man zunächst an die übliche, weil am häufigsten auftretende Getreidemühle, in der die heimischen Getreidesorten – Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Hafer – zu Mehl vermahlen werden. Aber die Palette an Mühlen ist wesentlich breiter, reichhaltiger. So war der Mahlmühle sehr oft eine Sägemühle zum Zurecht-Schneiden von Holz zu Brettern beigesellt. In den häufig vorkommenden Ölmühlen wurden aus entsprechenden ölhaltigen Früchten wie Lein, Raps und Mohn durch Zermalmen und Auspressen Öle gewonnen; diese Mühlen erlebten in den Jahren der Not und des Mangels nach dem Zweiten Weltkrieg eine Renaissance, als auch beispielsweise aus Bucheckern, die man in den Wäldern zusammengesammelt hatte, Öl gepresst wurde, um die eigene Versorgung mit Nahrungsfett zu sichern. Darüber hinaus waren Lohmühlen zum Zerkleinern von Rinde in Schwaben weit verbreitet; die zerkleinerte Baumrinde – vor allem von Fichten – benötigten die Gerber zum Verarbeiten von Tierhäuten bzw. zur Herstellung von Leder. Dann gab es die Walkmühlen, in denen man Textilien durch Stampfen bearbeitete. Papiermühlen dienten der Herstellung von Schreib- und Verpackungsmaterial. Im Klostermühlenmuseum Thierhaupten wird dies sehr anschaulich gezeigt. In Schleifmühlen konnten – wie in Schwangau bzw. am Dristallbach – Wetzsteine, konnten – wie bei Nördlingen an der Eger – Messer und Beile oder – wie in Fischach an der Schmutter – Glaswaren und Schalen zurechtgeschliffen werden. In Knochenmühlen zermahlte man Knochen zu Mehl, das man anschließend zum Düngen verwenden konnte. Im 19. Jahrhundert erlebten die Gipsmühlen ihre Blüte; wichtig waren sie für die Landwirtschaft, denn das in ihnen erzeugte Gipsmehl fand als wertvoller Bodendünger Verwendung, bis die Einführung und Verwendung von modernem Kunstdünger der Blütezeit der Gipsmühlen ein frühes Ende setzte. Flächendeckend verbreitet waren in Schwaben die Hammerschmieden, wie man sie in Naichen als erhaltenes Kulturdenkmal vorfindet. Vor allem die Hammerschmieden, in denen durch die Kraft des Wassers ein oder mehrere Hämmer in Gang gesetzt wurden, machen deutlich, dass die Mühle nicht ausschließlich ein Mahlbetrieb war, sondern der Begriff "Mühle" ein frühes Synonym für "Maschine" war.

Inzwischen ist die Dokumentation soweit gediehen, dass das darin gesammelte Material der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden kann. Ein erster Schritt ist ihre Veröffentlichung im Internet.

Das Werk dokumentiert den Stand von 2011/2012. Abgeschlossen kann es beileibe nicht sein; denn genauso wichtig ist es, seinen Inhalt auch zu pflegen und auf dem laufenden zu halten, etwa was den baulichen Erhaltungsgrad der Gebäude oder die Öffnungszeiten der Mühlenmuseen betrifft. Auch kommt immer wieder Material zu dieser oder jener Mühle oder sogar eine weitere Mühle zutage, was in die Dokumentation aufgenommen werden soll. So wird das Werk ständig aktualisiert und erweitert und soll so ein kompetentes Nachschlagewerk zum Thema "Mühlen und Elektrizitätswerke in Bayerisch-Schwaben" sein, sowohl für den interessierten Laien als auch für den beruflich damit Befassten. Aus diesem Grund sind wir für Anregungen, Verbesserungen und ergänzendes Material (insbesondere auch Zeichnungen, Pläne, Fotos) stets dankbar.