Literaturpreis 2019

Die Preisträger

1. Preis: Dr. Ruth Johanna Bernrath (Berlin)

In raffinierter Erzählperspektive beschreibt Bernraths in unterkühlter Sprache verfasstes Drama „Auftauen“ das unabwendbare, frühe Hineingleiten – eine Verwandlung ─ ihrer namenlosen Protagonistin in schlimme, gescheiterte Lebensverhältnisse. Die Jury würdigte „den hoch artifiziellen Prosatext einer Dichterin, eine Erzählung mit kafkaesken Qualitäten.“ Seit 2007 arbeitet die promovierte Heidelberger Germanistin als freie Schriftstellerin. Der Schwäbische Literaturpreis ist etwa die dreißigste Würdigung, die sie erhält. Laut Juror Oswald Burger spielt sie längst leichthändig in der „Bundesliga“ mit, als Lyrikerin, Romanautorin, Verfasserin von Theaterstücken, Hörspiel und als Performerin: „Und so gibt es auch manchmal Preisträger, die den Preis ehren“, resümiert er.

Dr. Ruth Johanna Benrath, geb. 1966 in Heidelberg, promovierte 2004 dort mit einer Arbeit über das Selbstverständnis von Geschichtslehrern in der DDR und in den neuen Bundesländern. Seit 2004 ist sie freie Schriftstellerin. Für ihre vielfältige literarische Tätigkeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, zuletzt wurde „Geh dicht dichtig!“ 2019 für den ARD-Hörspielpreis nominiert.

2. Preis: Joachim Off (Gerlingen/Baden-Württemberg)

Off portraitiert in der Erzählung „Der Hall“ das raffinierte Psychogramm eines DDR-Vernehmungsoffiziers. Jetzt im Ruhestand findet die Vernehmung nur mehr im Kopf statt. Als „pflichtbewusstes Untersuchungsorgan“ fordert er zwischen Selbstgerechtigkeit und Verzweiflung schwankend in der Rückschau seine damaligen Angeklagten auf, ihm „wahrheitsgemäß zu vergeben“. Die Kernidee seiner Erzählung ist die Metamorphose: „Ein Staat vergeht, geht in den anderen über. Dabei verblassen die Erinnerungen der Menschen, aber lassen sie nicht los.“ Jurorin Dr. Sylvia Heudecker zeigte sich beeindruckt von dieser Skizze einer Persönlichkeit, die ihre Gebrochenheit vor der Welt und vor sich selbst perfekt verbirgt.

Joachim Off wurde 1974 in Leonberg geboren, studierte Physik und arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen. Er ist langjähriges Mitglied des 42erAutoren e.V. und arbeitet derzeit an seinem ersten Roman. Er wohnt in Gerlingen bei Stuttgart.

3. Preis: Erik Wunderlich (Freiburg/Baden-Württemberg)

Erzählt wird ─ zu guter Letzt ─ von einer Froschmetamorphose. Allerdings „so behutsam, dass man den Schluss mehrmals liest, um zu klären: Was genau ist da eigentlich geschehen?“ schreibt Juror Friedmann Harzer. In der Geschichte will sich ein gewisser H. nach seiner Scheidung qua Verwandlung selbst aus seiner Menschen-Einsamkeit befreien. Wunderlichs Verwandlungserzählung „Der Frosch“ verfremdet laut Jury durch die Ich-Perspektive das alte Erzählmuster und vermeidet durch die präzise Schilderung der Ereignisse jeden Mythen- oder Märchenkitsch.

Biographie

Erik Wunderlich, 1983 im Schwarzwald geboren, studierte Physik in Karlsruhe und Psychologie in Berlin. Er lebt in Freiburg/Breisgau, veröffentlicht Lieder als Singer-Songwriter, seine Kurzprosa erscheint in Zeitschriften und Anthologien. Als Finalist des Open Mike 2018 nahm er 2019 am Nature Writing Seminar der Bayerischen Akademie des Schreibens teil. Er arbeitet an seinem ersten Roman.

Sonderpreis junge Autorin: Maya Baumann (Senden/Augsburg)

Ihre Geschichte geht so: „Du brauchst mal eine Auszeit, eine plausible Entschuldigung, eine Ablenkung deines sozialen Umfelds. Damit dies gelingt, nimmt man zur Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Menschen, der einem hilft. Damit es glaubhaft wirkt.“ In Maya Baumanns Geschichte „Family Romance“ verwandelt sich ein Mensch kraft eigenen Entschlusses und in der sicheren Überzeugung, sich „nachher“ wieder rückverwandeln zu können. Aber das „Geschäftsmodell“ misslingt, beschreibt Juror Michael Friedrichs den Fortgang der Erzählung. „Alles gerät ins Unübersichtliche, Ungeplante“. Friedrichs selbst bekennt sich durch diesen originellen Text als Fan „metaphorisiert“. Der 20jährigen Augsburger Studentin der Vergleichenden Literaturwissenschaften ist mit der preisgekrönten Verwandlungsgeschichte ein fulminantes Debüt gelungen. Sie arbeitet an ihrem ersten Roman.

Maya Baumann wurde 1999 in Landshut geboren und ist in der Nähe von Ulm aufgewachsen, studiert Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg. Am liebsten schreibt sie über historische Themen und außergewöhnliche Ereignisse. Sie arbeitet an der Veröffentlichung ihres ersten Romans.

Dotierungen / Preise:

  • 1. Preis 2.000 Euro
  • 2. Preis 1.500 Euro
  • 3. Preis 1.000 Euro
  • Sonderpreis für einen jungen Autor/junge Autorin (bis 25 Jahre): Einladung zum Meisterkurs Literatur beim Schwäbischen Kunstsommer 2020 an der Schwabenakademie Irsee

Jury

  • Oswald Burger (Literarisches Forum Oberschwaben)
  • Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl
  • Dr. Michael Friedrichs (Wißner-Verlag)
  • Dr. Friedmann Harzer (Universität Augsburg)
  • Dr. Sylvia Heudecker (Studienleitung Schwabenakademie Irsee)
  • Dr. Ulrike Längle (ehemals Franz-Michael-Felder-Archiv Bregenz)
  • Dr. Sebastian Seidel (Sensemble Theater Augsburg)

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