Denkmalpreis 2026

Die Preisträgerinnen und Preisträger

Denkmalpreis 2026: Denkmalpflegerische Sanierung des Kuratenhauses in Reichau, Michaela Schütz

Dotiert mit 15.000 Euro

Das Gebäude ist bis heute weitgehend in seinem baulichen Zustand überliefert, es stammt aus dem Jahr 1797 und bildet mit der Kirche St. Anna eine städtebaulich und historisch prägende Baugruppe. Das Denkmal war bis zu seinem Verkauf an die heutige Eigentümerin akut vom Abbruch bedroht. Ein Abbruchantrag war bereits 2005 gestellt worden, der jedoch von den Behörden abgelehnt wurde und schließlich gerichtlich geklärt werden sollte. Durch den Einsatz der neuen Eigentümerin erfolgte die Instandsetzung handwerklich und gestalterisch höchst vorbildlich. 

Das mit der Einrichtung der Pfarrkuratie 1797 entstandene ehem. Kuratenhaus in Reichau liegt unmittelbar westlich der dortigen Kath. Pfarrkuratiekirche St. Anna. Sowohl städtebaulich als auch historisch bildet das zweigeschossige Satteldachgebäude zusammen mit der Kirche eine für den Ort prägende Baugruppe.

In seiner baulichen Struktur ist das ehem. Kuratenhaus bis heute weitgehend in seinem bauzeitlichen Zustand überliefert: Den nördlichen Teil des Hauses nimmt in Erd- und Obergeschoss der dreischiffig mit firstparallelem Mittelflur angelegte Wohnteil ein, südlich schließt daran eine kleine Tenne an. Das Dachwerk ist als Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl und einfachen Streben mit Brustriegel als Windverband ausgebildet. Sämtliche Verbindungen sind gezapft. Besonders charakteristisch und in dieser Form nur selten anzutreffen sind die guttae-artigen Verzierungen an den Stuhlsäulen, die vom Aufgreifen klassizistischen Formenguts im Bereich des Zimmererhandwerks zeugen. Außergewöhnlich ist auch der reiche historische Ausstattungsbestand des Gebäudes. Neben der Stiege mit ihren Brettbalustern sind ein Großteil der Fenster mit profilierten Winkelbeschlägen und Vorreibern sowie die eingestemmten Vierfeldertüren im Inneren samt Beschlägen nahezu vollständig aus der Bauzeit erhalten. Innerhalb des historischen Hausbestands der Region stellt das ehem. Kuratenhaus damit einen in vergleichbarer Geschlossenheit nur mehr sehr selten anzutreffenden Profanbau dar, mit vielfältiger bau-, sozial-, konstruktions- und handwerksgeschichtlicher Aussagekraft.

Das Denkmal war bis zu seinem Verkauf an die heutige Eigentümerin akut vom Abbruch bedroht: Diözese und Pfarrei hatten bereits Anfang 2005 einen Abbruchantrag gestellt, der allerdings vom BLfD und der UDB mit Nachdruck abgelehnt wurde und deshalb schließlich sogar vor Gericht ging. In zähen Verhandlungen mit Diözese und Pfarrei erreichte das BLfD allerdings schließlich, dass der Abbruchantrag und das Gerichtsverfahren ruhend gestellt wurden, so lange für das Gebäude ein neuer Eigentümer gesucht werden sollte. Ein Verkauf wurde allerdings erst 2021 möglich, nachdem es in der Kirchenverwaltung und bei der Diözese zu personellen Veränderungen gekommen war.

Die neue Eigentümerin wollte das Gebäude unbedingt unter größtmöglichem Erhalt der historischen Substanz und Ausstattung als Altersruhesitz für sich herrichten. Die Instandsetzung erfolgte schließlich sowohl handwerklich als auch gestalterisch in absolut vorbildlicher Weise, unter größtmöglichem Substanzerhalt und in engster Abstimmung mit dem BLfD. Die Eigentümerin engagierte sich dabei – trotz finanzieller Unterstützung u. a. aus dem E-Fonds – bis an die Grenzen ihrer finanziellen Belastungsmöglichkeiten.


Denkmalpreis 2026: Denkmalpflegerische Sanierung von Kloster Mussenhausen, Christian und Veronika Groß, Armin Schropp und Franziska Kreft

Dotiert mit 10.000 Euro

Das Kapuzinerkloster Mussenhausen ist aus Ensemble mit mehreren Bauelementen aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Nach seiner Schließung 1986 stand es leer und war dem Verfall preisgegeben. Insbesondere der Stadel war einsturzgefährdet. Die beiden Architektenpaare bewahrten bei ihrer Sanierung die historische Substanz und ermöglichten gleichzeitig neue Nutzungen, indem sie flexible modulare Wohneinheiten schufen. Gleichzeitig entstanden im Kaplanhaus die Architekturbüros. Die qualitativ hochwertige Sanierung ist beispielhaft. 

Das Kapuzinerkloster Mussenhausen, ein bedeutendes denkmalgeschütztes Ensemble mit Kaplanhaus von 1697, dem Klösterl von 1888, einem Stadel aus dem 18. Jahrhundert sowie Teilen des historischen Gartens und der Einfriedung, stand nach seiner Schließung 1986 und dem Leerstand seit 1996 kurz vor dem Verfall. Sogar ein Abriss wurde erwogen, da insbesondere der Stadel einsturzgefährdet war.

Die Rettung gelang durch zwei Architektenpaare – Schropp und Groß –, die das Ensemble in einer Baugenossenschaft übernahmen und damit finanzielle Mittel und fachliche Kompetenzen bündelten. In enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege entstand ein Restaurierungskonzept, das historische Substanz bewahrte und zugleich neue Nutzungen ermöglichte. Mit großer Sorgfalt wurden Kloster- und Kaplanhaus instand gesetzt, zwei flexible, modular anpassbare Wohneinheiten geschaffen und Architekturbüros im nördlichen Bereich eingerichtet. Der Stadel wurde zu einer multifunktionalen Pilgerherberge mit Veranstaltungsraum im Erdgeschoss und Schlafbereichen im Obergeschoss umgebaut. Auch der Klostergarten wurde revitalisiert.

Die Sanierung erforderte umfangreiche statische Sicherungen und eine anspruchsvolle Integration moderner Technik bei gleichzeitigem Erhalt der historischen Bausubstanz. Die hohe Qualität der Restaurierung wurde durch die Besichtigung des Wessobrunner Kreises e.V. gewürdigt und durch Presseberichte einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Die Revitalisierung stärkt die regionale Identität und zeigt beispielhaft, wie gemeinschaftliches Engagement ein bedrohtes Kulturdenkmal in eine zukunftsfähige Nutzung überführen kann.


Undotiert: Denkmalpflegerische Sanierung des Hotels "Krone" in Oettingen, Stadt Oettingen i. Bay.

Undotierter Preis

Das Hotel "Krone" gilt als das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Oettingen und stammt aus dem Jahr 1424. Es ist ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher Rieser Baukultur und gleichzeitig ein Musterbeispiel für eine denkmalgerechte Sanierung. Darüber hinaus war seine Architektur und Konstruktionsweise für das späte Mittelalter maßgeblich. Die Sanierungsarbeiten erfolgten mit größtem Respekt gegenüber der historischen Bausubstanz und sind in dieser Weise maßgeblich und vorbildlich. 

Das imposante Gebäude im Herzen der Stadt, direkt am Marktplatz wurde im Jahr 1424 errichtet und gilt als das älteste erhaltene Gebäude der Stadt Oettingen.

Es stellt nicht nur ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher Baukunst dar, sondern ist auch ein Musterbeispiel für denkmalgerechte Sanierung und nachhaltige Nachnutzung. Seine bauhistorische Bedeutung ist immens: Die Konstruktion des Kehlbalkendaches mit zweifach liegendem Stuhl ist heutzutage eine architektonische Seltenheit und für Bauforscher von hohem Wert.

Besonders hervorzuheben ist der sogenannte Kronensaal, dessen monumentales Zollingergewölbe nicht nur ein architektonisches Juwel, sondern auch eine bedeutende ingenieurtechnische Leistung darstellt. In dieser Form ist es in der Region einmalig. Nach jahrzehntelangem Leerstand, Notsicherung und zuletzt der behördlich angeordneten Schließung stand das Objekt vor dem endgültigen Verfall. Erst durch den neuerlichen Erwerb durch die Stadt Oettingen konnte die historische Substanz gerettet und der Weg für eine nachhaltige Sanierung geebnet werden. Dieser Schritt war nicht nur mutig, sondern richtungsweisend für den Umgang mit gefährdetem Kulturgut in kommunaler Verantwortung.

Die 5-jährige Instandsetzung der Krone erfolgte mit höchstem Respekt vor der historischen Bausubstanz und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Im Fokus standen dabei u.a.: Die statische Sicherung des Gesamtbauwerks, insbesondere des kunsthistorisch bedeutenden Dachstuhls, eine restauratorisch exakte Wiederherstellung des Erscheinungsbilds, die denkmalgerechte Sanierung von Fassaden, Fenstern und dem eindrucksvollen Gewölbekeller sowie die Integration einer PV-Anlage, die vorbildlich dachflächenintegriert und nahezu unsichtbar in das historische Erscheinungsbild eingebettet wurde.

Ein besonders innovativer Schritt war die behutsame Verbindung der historischen Bausubstanz mit einem modernen Hotelanbau in Holzmodulbauweise. Dieser beherbergt nun komfortable Hotelzimmer, helle Tagungsräume, eine gemütliche Lounge und einen modernen Wellnessbereich – allesamt barrierefrei zugänglich. Die schlichte und zurückhaltende Architektursprache des Neubaus stellt den historischen Bestand in den Mittelpunkt und wahrt die Würde und Historie des Ortes.

Undotiert: Denkmalpflegerische Sanierung des Fuggeramtshauses in Markt Rettenbach, Gemeinde Markt Rettenbach

Undotierter Preis

Das ehemalige fuggerische Amtshaus in Markt Rettenbach wurde 1547, unmittelbar nach dem Erwerb der Herrschaft Rettenbach durch Anton Fugger, errichtet. Sein Baubestand ist nahezu vollständig erhalten. Mit dem Erwerb durch die Gemeinde Markt Rettenbach und der Nutzung als Rathaus besteht hier eine administrative historische Kontinuität. Städtebaulich und ortsgeschichtlich ist das Bauwerk ein zentrales Denkmal der Region,. Umso bedeutender sind auch die Sanierungsmaßnahmen einzuschätzen, die nach jahrelangem Leerstand notwendig waren. Die Maßnahmen wurden vorbildlich geplant und ausgeführt. 

Nachdem zunächst ein Verkauf des Anwesens an einen privaten Investor erwogen worden war, der das Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut hätte, entschloss sich die Gemeinde erfreulicherweise dazu, hier ihr Rathaus unterzubringen. Diese Nutzung entspricht der historischen Grundrissstruktur und dem Charakter des Denkmals weitaus besser und ließ sich mit wesentlichen geringeren Substanzeingriffen realisieren als eine moderne Wohnnutzung.

Beim ehem. Fugger-Amtshaus in Markt Rettenbach handelt es sich um einen stattlichen zweigeschossigen Satteldachbau, der unmittelbar nach dem Erwerb der Herrschaft Rettenbach durch Anton Fugger (1547) errichtet wurde – die im Dach verbauten Hölzer wurden durchweg im Winter 1549/50 gefällt. Der Baubestand des renaissancezeitlichen Amtshauses ist nahezu vollständig erhalten. Neben den Umfassungswänden und dem mächtigen Dachwerk (steiles Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl und den für das 16. Jh. charakteristischen Kopfbändern, die Sparren, Stuhlsäule, Spannriegel und Kehlbalken überblatten) können ihm auch die gewölbten Kellerräume sowie das Grundgerüst der innenräumlichen Struktur zugewiesen werden. Um 1729 (d) wurde das Gebäude um eine Fensterachse nach Osten erweitert. Damit einher gingen einige Grundrissveränderungen im Bestand sowie die Barockisierung des Gebäudes. Teilweise hat sich die Ausstattung (Stuckdecken, Treppenanlage, Türen, einzelne Fenster usw.) aus dieser Phase bis heute erhalten. Einige weitere Grundrissveränderungen und eine Veränderung des Treppenstandorts erfolgten im 19. Jh.

Insgesamt verfügt das ehem. Amtshaus noch über einen reichen historischen Bestand, wobei die Erweiterungs- und Erneuerungsphase des 18. Jhs. bis heute prägend wirkt. Bau-, herrschafts- und ortsgeschichtlich stellt das ehem. Fugger-Amtshaus damit eines der herausragenden profanen Baudenkmäler in der Region dar.

Sowohl die gesamte Gebäudehülle (das Dach wies bereits Undichtigkeiten auf, die Fenster waren teilweise beschädigt usw.) als auch sämtliche Innenräume (die Oberflächen und die historische Ausstattung) mussten nach dem jahrelangem Leerstand des Gebäudes dringend instandgesetzt werden. Zudem musste das Gebäude insbesondere im Bereich des durch Feuchtigkeit geschädigten Dachwerks statisch instandgesetzt und ertüchtigt werden. Die gesamte Haustechnik musste erneuert werden.